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25 Jahre Friede bei Springer



Friede Springer und Mathias Döpfner auch im Aktienverkauf erfolgreich

Friede Springer

Das Jahr 1985 war das Schicksalsjahr für Deutschlands größtes Zeitungshaus. Axel Springer, damals 73 Jahre alt, zog sich als Vorsitzender des Aufsichtsrats zurück und wurde dessen Ehrenvorsitzender. Die Deutsche Bank sollte 49 Prozent der Aktien breit streuen. Die Kollegenfamilie Burda aus Offenburg war schon 1983 eingestiegen und übernahm 24,9 Prozent. Springer blieb zwar nur noch eine Sperrminorität, aber gemeinsam mit Burda die Mehrheit.

Im neuen Aufsichtsrat standen Springer drei von neun Sitzen zu, die er per 1. Juli neben seinem bisherigen Stellvertreter Ernst Cramer mit seiner fünften Ehefrau Friede und dem Hamburger Rechtsanwalt Dr. Bernhard Servatius besetzte. Die Offenburger konnten die Zahl ihrer Sessel verdoppeln, so dass Dr. Hubert Burda sich nun neben seinen Bruder Frieder Burda niederließ. Die übrigen vier Mandate sollte die Deutsche Bank besetzen.

Am 19. Juli trat die neue Runde zu ihrer ersten Sitzung zusammen. Cramer stellte den Banker Dr. F. Wilhelm Christians, den Berliner IHK-Präsidenten Horst Kramp, den früheren AEG-Finanzchef Dr. Johannes Semler und Dr. Michael Otto als weitere Mitglieder vor. Versandhauskönig Otto ist der einzige von ihnen, der noch heute dem Springer-Rat angehört. Deshalb kann auch er demnächst das runde Jubiläum feiern.

Gezielt sammelte Kirch über Strohmänner Springer-Aktien ein

Der damalige Aufsichtsrat wählte jedenfalls Servatius zu seinem neuen Vorsitzenden und Frieder Burda zum stellvertretenden Vorsitzenden. Am 22. September starb der Ehrenvorsitzende Axel Springer. Zuvor hatte er noch jeweils knapp 1,1 Prozent der Aktien an den Vorstandsvorsitzenden Peter Tamm und dessen Stellvertreter Günter Prinz verschenkt. Zehn Prozent („und keine Aktie mehr“) sollte der Filmhändler Dr. Leo Kirch bekommen. Auch die Deutsche Bank und der Versicherer Gerling sicherten sich kleinere Pakete. Bei der Emission kamen nur noch etwa 36 Prozent in den freien Handel.

Gezielt sammelte Kirch über diverse Strohmänner weitere Aktien ein, bis er angeblich über mehr als 25 Prozent verfügen konnte – auch Prinz und Tamm machten dabei Kasse. Kirch konnte die Stimmrechte jedoch nicht ausüben, weil es sich um vinkulierte Namensaktien handelte. Im März 1988 wollte er sich mit Frieder und Franz Burda verbünden, die sich im Zuge einer Realteilung von ihrem Bruder Hubert getrennt hatten. Bei Springer hieß es, „das Syndikat“ wolle die Mehrheit übernehmen.

Die F & F-Brüder nutzen die Angst vor einer feindlichen Übernahme und verkauften ihren Anteil, für den sie einst 255 Millionen Mark bezahlt hatten, für 530 Millionen an die Springer-Erben zurück, die nun wieder über eine Mehrheit verfügen konnten („wir sind wieder wir“).

Heute besitzt Friede Springer 90 Prozent der Holding

Auch unter den Erben herrschte nicht nur Harmonie. Bald zahlte die Haupterbin Friede Springer (70 %) Barbara Choremi (10 %), die Tochter aus Axel Springers erster Ehe, und Nicolaus (10 %), den Sohn aus der vierten Ehe, aus. Heftigen Streit gab es mit den Kindern von Axel Springer junior, des 1980 verstorbenen Sohnes aus der zweiten Ehe. Die Enkel Ariane und Axel Sven halten jeweils fünf Prozent an der Familienholding Axel Springer Gesellschaft für Publizistik, erheben jedoch aufgrund eines früheren Testaments Anspruch auf 25 Prozent des Erbes.

Heute besitzt Friede Springer 90 Prozent der Holding und bestimmt souverän den Kurs. Seit 1999 ist sie stellvertretende Vorsitzende des Aufsichtrats. Anfang 2002 übernahm ihr Wunschkandidat Dr. Mathias Döpfner den Vorstandsvorsitz; keiner seiner vier Vorgänger hielt sich so lange an der Spitze. Ein halbes Jahr später löste der aus Sizilien stammende Mediziner und Manager Dr. Giuseppe Vita den hanseatischen Advokaten Servatius an der Aufsichtsratsspitze ab.

Nach der Kirch-Pleite 2002 erwarb Friede Springer persönlich weitere Anteile der Axel Springer AG, so dass sie mit den 51,5 Prozent der Gesellschaft für Publizistik über eine solide Mehrheit von 58,5 Prozent verfügen kann. Sie hat das Lebenswerk ihres Ehemannes nicht nur erhalten, sondern deutlich vermehrt.

Nur Erich Ruppik sitzt schon länger in einem Kontrollgremium der Medienindustrie. Der Vorsitzende des Konzernbetriebsrats der Bertelsmann AG darf bereits seit 29 Jahren mitbestimmen.

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