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Aldi Süd verliert Umsatz und steigert Gewinn



Anfang vergangenen Jahres schreckte Aldi Süd die regionale Zeitungsbranche: Der Discounter prüfte in der Region Baden-Württemberg den Verzicht auf Anzeigen. Betroffen waren unter anderem die „Stuttgarter Zeitung”, der „Mannheimer Morgen” und der „Südkurier”. Stattdessen streute Aldi Süd mehr Filialprospekte in die Haushalte als in den Jahren davor. Einem Bericht der „Lebensmittel Zeitung” zufolge testete der Discounter bis Ende 2010 die Direktverteilung - teilweise in Kombination mit kostenlosen Anzeigenblättern - als Alternative zur Tageszeitung. „Es geht darum, die Haushalte zu erreichen. Und da kann die Verteilung von Handzetteln effizienter sein”, zitierte der Branchendienst einen Aldi-Manager. Das wäre für die Verlage allerdings fatal: Bis 2010 schaltete Aldi Süd in der Regel zweimal pro Woche große Anzeigen, um Sonderangebote zu bewerben. Dem Marktforschungsinstitut Nielsen zufolge gaben Aldi Süd und Aldi Nord 2009 zusammen knapp 379 Millionen Euro für Werbung aus (fast ausschließlich Print) und standen damit nach dem US-Konsumgüterriesen Procter & Gamble (Pampers, Gillette), dem Elektronikhändler Media Markt/Saturn und dem Schoko-Imperium Ferrero auf Rang vier unter den größten Werbetreibenden in Deutschland.

Aldi Süd verliert Umsatz und steigert Gewinn

Für Presse einer der wichtigsten Werbungtreibenden: Aldi Süd

Zu welcher Entscheidung das süddeutsche Unternehmen nun gekommen ist, darüber herrscht Stillschweigen. Weder die Verlage noch die mit dem Media-Einkauf für Aldi Süd betraute Kölner Agentur Ad cetera wollten sich gegenüber Media Tribune dazu äußern. Auch die Unternehmenskommunikation hält sich bedeckt. Dem Vernehmen nach haben die Anzeigenbuchungen in diesem Jahr aber bislang nicht wieder angezogen. Ist die Aktion vielleicht auch eine Sparmaßnahme, weil Aldi Süd Einbußen zu verzeichnet hat? Eher unwahrscheinlich. Denn die jetzt veröffentlichten Bilanzzahlen aus dem Jahr 2009 zeigen den Discount-Riesen in guter Verfassung:

Die Gesamtumsätze der deutschen Regionalgesellschaften von Aldi Süd addierten sich 2009 auf 12,26 Milliarden Euro. Das sind 264,4 Millionen Euro (2,1 %) weniger als 2008. Die übrigen Eckdaten blieben im Krisenjahr jedoch positiv. Die Jahresüberschüsse wuchsen um 16,6 auf 472,2 Millionen Euro (3,6 %) und die durchschnittliche Umsatzrendite von 3,6 auf 3,8 Prozent. Die Zahl der Beschäftigten stieg um 435 auf 25.960 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Die 31 Regionalgesellschaften betreiben jeweils ein Logistikzentrum und insgesamt 1.775 (Vorjahr: 1.742) Discountmärkte südlich des Aldi-Äquators. Die Gesellschaften in Mülheim an der Ruhr und in Ketsch am Altrhein sind daneben Betreiber von Kaffeeröstereien, die sowohl für das eigene Handelssortiment als auch für andere Gesellschaften der Unternehmensgruppe produzieren.

Die Aldi Süd-Gesellschafter

Die jeweils als Aldi GmbH & Co. KG firmierenden Regionalgesellschaften sind rechtlich selbständig; identisch sind nur die Kommanditisten. Neben der Siepmann Stiftung (74,25 %) im bayerischen Eichenau ist die Carolus Stiftung (12,375 %) in Donaueschingen direkt sowie über ihre Töchter Billen GmbH (12,375 %) und Fenten GmbH (1 %) in Mülheim beteiligt. Einzige Ausnahme ist die Aldi-Gesellschaft in Eschweiler. Dort hält der Essener Rechtsanwalt und Notar Dr. Jochen Schmidt, in dessen Kanzlei diese Konstruktion ausgetüftelt wurde, zehn Prozent, die übrigen Gesellschafter entsprechend weniger.

Komplementär der Regionalgesellschaften ist jeweils eine GmbH, die den Namen ihres Geschäftführers trägt. Der örtliche Geschäftsführer sowie 24 oder in acht Fällen 25 weitere Manager der Unternehmensgruppe sind jeder mit knapp 1,7 Prozent beteiligt. Den größten Anteil von rund 36,6 Prozent hält stets die Carolus Stiftung und den Rest von 20,9 bzw. 19,2 Prozent die Oertel Stiftung in Eichenau. Hinter allen Stiftungen steht der Firmengründer Karl Albrecht (91) mit seiner Familie.

Direkt miteinander verbunden sind die Regionalgesellschaften als persönlich haftende Gesellschafter der Energia GmbH & Co. oHG (Umsatz: 140,8 Mio.) und – bis auf Eschweiler – der Aldi Einkauf GmbH & Co. oHG (Umsatz: 331,3 Mio.). Im Geschäftsjahr 2009 wurden die Finanzierungsaktivitäten der in Deutschland operativ tätigen Unternehmen der Unternehmensgruppe neu strukturiert. Danach haben sich die 31 Regionalgesellschaften in der Darlehenskonsortium Aldi Süd GbR zusammengeschlossen, die seitdem zentral im eigenen Namen und für Rechnung der Regionalgesellschaften Kreditaufnahmen und Geldanlagen tätigt.

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