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Alle Jahre wieder



Am 20. April 2011 jährte sich zum 111. Mal der Geburtstag des legendären Hamburger Zeitschriftenverlegers John Jahr. Heute wird das Gesamtvermögen seiner Erben auf 2,4 Milliarden Euro geschätzt; es rangiert damit unter den ersten 50 in Deutschland. Zwanzig Jahre nach dem Tod des Seniors befindet sich das heimliche Imperium im Umbruch. Das aus Dutzenden von Holdings bestehende Family Office bekommt als neuen Geschäftsführer einen renommierten Gesellschaftsrechtler.

Vom Sportredakteur zum Clan der Millionäre

Wer war John Jahr senior? Er wurde 1900 als Sohn eines Feuerwehrmannes in Hamburg-Eppendorf geboren. Ab 1916 machte er eine Lehre zum Exportkaufmann für Herrenartikel. Nach dem Ersten Weltkrieg volontierte er bei der von Heinrich Bauer (1874-1949) hergestellten Sportzeitung „Extrablatt“. Bereits 1924 war er als Verleger der „Sport Chronik“ selbstständig. Für die Olympischen Spiele 1928 in Amsterdam besaß er die exklusiven Bildrechte für Deutschland. Ab 1929 akquirierte er als Anzeigen-Generalvertreter für die kommunistische „Arbeiter Illustrierte Zeitung“ von Willi Münzenberg (1889-1940). Nach der NS-Machtergreifung zog er nach Berlin, wo er 1936 den Olympia-Kalender produzierte. Im folgenden Jahr startete er die John Jahr Hausbücherei und übernahm „Die junge Dame“, seine erste Frauenzeitschrift.


G+J-Gründer (v. l.): Dr. Gerd Bucerius, Richard Gruner, John Jahr sen.

G+J-Gründer (v. l.): Dr. Gerd Bucerius, Richard Gruner, John Jahr sen.


Partnerschaft mit Axel Springer und Rudolf Augstein

Nach dem Zweiten Weltkrieg gründete John Jahr 1947 mit Axel Springer (1912-1985) in Hamburg den Constanze-Verlag. Ab 1950 verlegte er mit Rudolf Augstein (1923-2002) das Nachrichtenmagazin „Der Spiegel”. Anfang der 1960er Jahre trennte sich Springer von Jahr und Jahr von Augstein. Schließlich kam es 1965 zur Fusion von Gruner + Jahr. Die Anteile der Mitgründer Richard Gruner (1925-2010) und Dr. Gerd Bucerius (1906-1995) landeten 1969 bzw. 1973 bei Bertelsmann, nur John Jahr blieb ab 1975 mit 25,1 Prozent an dem Druck- und Verlagshaus beteiligt. Bis 1987 kontrollierte er das Unternehmen als stellvertretender Aufsichtsratsvorsitzender, dann wurde er zum Ehrenvorsitzenden ernannt.

Die vier Kinder von John Jahr übernehmen Aufgaben bei G+J

Angelika Jahr-Stilcken

John Jahrs einzige Tochter: Angelika Jahr-Stilcken

Als John Jahr am 8. November 1991 starb, hinterließ er neben der lukrativen Sperrminorität bei Gruner + Jahr ein umfangreiches Portfolio aus Verlagen, Hotels, Buchhandelsketten, Immobilien, einen Bauernhof sowie Beteiligungen an Banken und Spielcasinos. Auch seine vier Kinder waren bei G+J aktiv. Der Älteste, John Jahr jun. („Johnny”, 1933-2006), gehörte von Anfang an dem Vorstand an, der Banker Michael Jahr (Jahrgang 1938) leitete ein paar Vertriebsfirmen, der Jurist Alexander Jahr (1940-2006) saß im Aufsichtsrat, und die einzige Tochter, Angelika Jahr-Stilcken (1941), prägte als Chefredakteurin „Essen & Trinken“ und „Schöner Wohnen“.

Michael Jahr war bis 2004 Geschäftsführer der Jahr-Holdings. Seine Brüder Alexander und John starben 2006 binnen weniger Wochen, der eine hatte sich 1999 aus dem Aufsichtsrat und der andere 2000 aus dem Vorstand verabschiedet. Angelika ersetzte ihren Bruder Johnny im Vorstand und wechselte 2008 in den Aufsichtsrat.

Abschied aus der Medienbranche: Die dritte Generation der Jahrs

Inzwischen ist bereits die dritte Generation angetreten; sieben Frauen und drei Männer, von denen sich nur noch wenige der Medienbranche, geschweige denn dem Hause Gruner + Jahr verbunden fühlen:

Jessica (48), die erste Tochter von John Jahr jun., ist eine erfolgreiche Reiterin und mit dem Dressurtrainer Rainer Schwiebert (60) verheiratet.

John („John Jahr jun. jun.”, 46), Johnnys einziger Sohn, leitet seinen eigenen Immobilienkonzern.

Alexandra Jahr

Hat das Verleger-Gen geerbt: Alexandra Jahr

Jonica (42), die jüngste Tochter von John Jahr jun., war Redakteurin bei „Bild“, ist mit dem Rechtsanwalt Jan P. Goedhart (49), Stiefsohn von Prof. Dr. Bernhard Servatius (78, war u.a Testamentsvollstrecker von Axel Springer und Springer-Aufsichtsratsvorsitzender), verheiratet und zieht vier gemeinsame Söhne groß.

Melanie (33) ist die Tochter von Michael Jahr. Die studierte Kommunikationswirtin hat den Banker Philipp Groh geheiratet und sitzt im Kuratorium der Michael Jahr Stiftung.

Michael jun. (30), wie sein Vater ein gelernter Banker, führt die Geschäfte verschiedener Familiengesellschaften und ist ebenfalls Kurator der Michael Jahr Stiftung.

Alexandra (46), die älteste Tochter von Alexander Jahr, ist Verlegerin im Jahr Top Special Verlag, einem Joint Venture mit der Axel Springer AG.

Angelika (44), leitet mit ihrer Schwester ...

• ... Isabel (42) die Alexander Jahr Privatvermögensgesellschaft und die Jahr Investitionsgesellschaft.

Alexander (33), der Sohn von Angelika Jahr-Stilcken, ist Redakteur beim G+J-Magazin „Gala“.

Anna (32), Angelikas Tochter, hat Architektur studiert und ist mit Raik Eberhardt verheiratet.

Vier Stämme teilen sich das Vermögen

Jeder der vier Jahr-Stämme verfügt über eine Reihe eigener Holdings:

1) Der „John-Stamm“
Die drei Kinder von John Jahr jun. teilen sich zu gleichen Teilen fünf Gesellschaften, während an vier weiteren auch die Witwe Heike Jahr (69) beteiligt ist.

2) Der „Michael-Stamm“
Michael Jahr hat seine Tochter und seinen Sohn mit jeweils 40 Prozent an seinem väterlichen Erbe sowie seine Ehefrau Heidi (69) und die beiden Kinder mit jeweils 20 Prozent an seinen übrigen Vermögensanlagen beteiligt.

3) Der „Alexander-Stamm“
Die drei Töchter von Alexander Jahr teilen sich paritätisch neun von ihrem Vater gegründete Gesellschaften.

4) Der „Angelika-Stamm“
Angelika Jahr-Stilcken lässt ihre beiden Kinder ebenfalls mit jeweils 40 Prozent an ihrem Erbteil partizipieren. Die Anteile des geschäftsführenden Gesellschafters Ulf C. Goettges an der früheren Agentur Stilcken + Goettges hat Angelika Jahr soeben selber übernommen. Die Firma heißt jetzt Rudolf Stilcken GmbH. Die Verlagserbin besitzt nun 84 Prozent und ihr Ehemann Rudolf (86) den Rest. (PREMIUM-Content zum Jahr-Imperium - Teil I der Tetralogie: „Die direkten Holdings der vier Jahr-Familien”).

Spielbank Wiesbaden

Fester Portfolio-Bestandteil: Spielbanken wie hier in Wiesbaden

Die Beteiligungen des „John-Stamms“: Vom Restaurant Käfer bis zum Heizungsableser Kalorimeta

Über das umfangreichste Beteiligungsportfolio gebietet der „John-Stamm“. Dazu gehören zahlreiche Restaurants der Münchner Promiwirte Gerd Käfer (78) und Roland Kuffler (73), die auch zu den Gesellschaftern der Jahr-Beteiligung Spielbank Wiesbaden und deren Gastronomie zählen. Der Verlegerenkel John Jahr jun. jun. ist geschäftsführender Gesellschafter des Hamburger Immobilienkonzerns Dahler & Company Group mit Dutzenden von attraktiven Beteiligungen. Einer seiner Partner ist der Rechtsanwalt Oliver Heine (48), der mit Axel Sven Springer (45) einen anderen Verlegererben im Aufsichtsrat der Axel Springer AG vertritt. Die drei Freunde sind auch Partner in der Unternehmer-Beratung Lange Assets & Consulting GmbH.

Es gibt leider keine Bestätigung dafür, dass die Familie Jahr noch ihre 10-Prozent-Beteiligung an der Privatbank M.M. Warburg & CO hält. Sicher ist jedoch, dass sie in gleicher Höhe an den Hamburger Schwesterfirmen Kalorimeta und Urbana beteiligt sind. Kalorimeta liest den Heizungsverbrauch ab, und an der Energietechnik von Urbana sind auch die Privatbanker Max Warburg und Christian Olearius beteiligt (PREMIUM-Content zum Jahr-Imperium - Teil II der Tetralogie: „Die Beteiligungen der Familie John Jahr”).

Gemeinsame Holdings: Gruner + Jahr verbindet alle vier Stämme

Zudem existieren zahlreiche Holdinggesellschaften, an denen alle vier Stämme beteiligt sind, etwa die Jahr Holding. Den Kern bilden noch immer die Beteiligungen an den Unternehmen von Gruner + Jahr in Deutschland, Frankreich, Polen, Spanien und den USA. Dazu kommen diverse gemeinsame Grundstücksgesellschaften, Vermögensverwaltungen und die Beteiligungen an den Spielbanken in Hamburg, Wiesbaden und Frankfurt (PREMIUM-Content zum Jahr-Imperium - Teil III der Tetralogie: „Die gemeinsamen Holdings der vier Jahr-Familien”).

Geschäftsführer der gemeinsamen Jahr-Holdings war seit 1997 Burkhard Schmidt (50). Sein Nachfolger ist Dr. Winfried Steeger (61), Partner der Kanzlei Freshfields Bruckhaus Deringer in Hamburg. Der Gesellschaftsrechtler Steeger vertrat bisher große Familienunternehmen und betuchte Privatpersonen wie Dr. Michael Otto (68), den Aufsichtsratsvorsitzenden des Versandhausriesen (u.a. auch Aufsichtsratsmitglied der Axel Springer AG). Die Familie Jahr beriet er bereits 2007, als sie nach dem doppelten Erbfall ein Aktienpaket der Henkel AG für 434 Millionen Euro an die Gründerfamilie verkaufte.


Medienkonzern Gruner + Jahr

Bindeglied der Familie: Der Medienkonzern Gruner + Jahr


Burkhard Schmidt: Vom Verwalten zum Vermögen

Burkhard Schmidt will sich dem Vernehmen nach „den Wunsch erfüllen, eine eigene Vermögensverwaltung zu gründen“. Das ist bereits geschehen, seit er eine Reihe eigener Unternehmen betreibt, die zum Teil in Gebäuden der Familie Jahr residieren (siehe „Bonusmaterial Burkhard Schmidt“ am Ende von Teil I und IV der Tetralogie zum Jahr-Imperium). Schmidt ist außerdem an mehreren Familienunternehmen beteiligt und fungiert u.a. neben dem dritten John Jahr (John Jahr jun. jun.) als Komplementär der Spielbanken in Hamburg und Wiesbaden. Diese Funktionen und auch sein Amt als stellvertretender Aufsichtsratsvorsitzender von Gruner + Jahr dürfte er wohl zunächst beibehalten.

Wie lange hält das G+J-Engagement noch?

Sein Nachfolger Winfried Steeger erwartet keine leichte Aufgabe. Während die vier Kinder von John Jahr senior im väterlichen Verlag heranwuchsen, verfolgen die meisten seiner zehn Enkel eigene Wege. Auch die überlebenden Geschwister Michael und Angelika lassen kaum gemeinsame Interessen erkennen. Ihr ältester Bruder John war wohl der letzte, der die Großfamilie zusammenhielt, aber sie wissen alle: Die Sperrminorität bei Gruner + Jahr kann nur solange funktionieren, wie die Erben am selben Strang ziehen (PREMIUM-Content zum Jahr-Imperium - Teil IV der Tetralogie: „Die persönlichen Anteile der Jahr-Familienmitglieder”).

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