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Der Bauer und seine sechs Frauen



Die gesamte Bauer Media Group ist jetzt unter dem Dach der Heinrich Bauer Verlag KG (HBV) vereinigt. Zuvor übertrug die Familie Bauer sämtliche bislang persönlich gehaltenen Kommanditeinlagen ihrer Parallelkonzerne BVG Medien KG (0,8 Mio. €), Metras Medien-Spedition KG (2,08 Mio. €) sowie Yvonne Bauer Redaktions KG und Yvonne Bauer Service KG (jeweils 3,0 Mio. €) auf die alte Stammfirma HBV.


Heinz Bauer

Heinz Bauer


Persönlich haftender Gesellschafter (Komplementär) dieser vier Firmen ist nicht mehr Heinz Heinrich Bauer (71) oder ein anderes Familienmitglied, sondern eine weitere Kommanditgesellschaft, die Bauer Komplementär KG (BKK). Aber in der neugegründeten BKK haftet das Familienoberhaupt ebenso persönlich wie im Heinrich Bauer Verlag, während der HBV in der BKK die Kommanditeinlage von einer Million Euro stellt. Diese Konstruktion, die an die ineinander geschachtelten russischen Puppen erinnert, hat den Vorteil, dass z.B. bei der Schenkungssteuer nur Bilanzwerte angesetzt werden und nicht wie bei einer GmbH der Gewinn. Außerdem hat Heinz Bauer Weisungsbefugnis und kann auch künftig bis in die letzte KG durchregieren.

Wann Yvonne Bauer HBV-Komplementärin wird, entscheidet sie selbst

Das gilt auch für die neue Verlegerin, Bauers zweitjüngste Tochter Yvonne Saskia (33), die künftig 85 Prozent der Kommanditeinlagen der HBV KG hält und als Generalbevollmächtigte mit Einzelprokura zeichnet. Ihre drei Schwestern Mirja Alexandra (40), Nicola Henriette (38) und Saskia Tanja (31) sind jeweils mit fünf Prozent beteiligt; sie haben wie die beiden Geschäftsleiter Andreas Josef Clemens Maria Schoo (50) und Dr. Hans-Eckart Gerhard Bollmann (52) nur Gesamtprokura. Heinz Bauer ist zwar der einzige Komplementär der HBV, der BKK und (noch) weiterer Kommanditgesellschaften, aber nicht mehr am Vermögen und Gewinn des Konzerns beteiligt. Yvonne Bauer soll selbst entscheiden, wann sie ihren Vater auch in seiner Funktion als Komplementär ablöst.

Die Erben von Heinz Bauers Schwestern Heike von Alten und Marlis Hollmann sind bereits im September aus dem Heinrich Bauer Verlag und der BVG Medien KG ausgeschieden. Die drei Schwestern Birgitt von Alten-Brandt (50), Pia Gerdes (48) und Alice von Alten (41) waren jede mit 0,66 Prozent beteiligt. Die sechs Geschwister Jens (55), Kai (53), Lars (52), Niels (49) und Dirk Hollmann (45) sowie Silke Fragapane (45) hielten jeweils 0,33 Prozent. Die insgesamt vier Prozent der HBV KG wurden vorübergehend von Bauers Ehefrau Gudrun (67) übernommen.

Abheben mit der Metras Medien-Spedition

Gudrun Bauer war bislang alleinige Gesellschafterin der Metras Medien-Spedition. Im Oktober übertrug sie ihre Anteile auf die vier Töchter; zu 85 Prozent auf Yvonne und zu jeweils fünf Prozent auf die drei anderen. Metras ist der Hausspediteur der Bauer Media Group. Dazu gehören so interessante Tochterfirmen wie der ASW Air-Service Werkflugdienst und die PTG Programm Team Gesellschaft für Redaktionsservice. Fluggeräte der ASW sind eine bei der ASW Air Ltd. im Steuerparadies Cayman Islands registrierte „Falcon 900“ und ein Helikopter. Die PTG liefert Fahrpläne für die Programmzeitschriften.

Drucken mit der BVG Medien KG

Die BVG Medien KG wurde im April 2004 von Heinz Bauer und seiner ältesten Tochter Mirja als Parallelgesellschaft zum Heinrich Bauer Verlag gegründet. Ende 2004 stiegen auch die übrigen Gesellschafter ein. Das Unternehmen betreibt über die BVG Medien Beteiligungs GmbH Druckereien in Polen und hält die Kommanditeinlagen der bauer druck köln KG sowie seit Anfang 2010 auch der VPM Druck KG. VPM hieß vorher Pabel-Moewig Verlag und bildet den Teilkonzern im badischen Rastatt. Die bauer druck köln KG sollte im Juli 2010 aufgelöst werden, die Gesellschaft wird jedoch seit August fortgesetzt.

Texte aus der Yvonne Bauer Redaktions KG

Ähnliche Besitzverhältnisse wie zuletzt bei der Metras herrschten auch in den beiden Yvonne Bauer KGs, nur dass die neue Chefin dort als Komplementärin regierte. Um Yvonnes Redaktions KG und die Service KG sollte der neue Familienkonzern entstehen. Gemeinsam mit der sechsten Frau im Damenkranz, der versierten Sabine Kalisch (48), die vor einem Jahr die kaufmännische Leitung der Gruppe übernahm, fanden die Bauers jetzt die geniale Lösung: eine doppelstöckige Komplementär KG, die sternförmig die Geschäfte aller anderen Gesellschaften führt.


Yvonne Bauer

Yvonne Bauer


Nur immer einer hat das Sagen

Seit der Firmengründung durch den jungen Johann Andreas Ludolph Bauer (1852-1941) im Jahr 1875 hat immer nur einer das letzte Wort; 1903 holte J.A.L. seinen Sohn Heinrich Friedrich Matthias (1874-1949) in die Firma, die noch heute dessen Namen trägt; 1918 kam der Enkel Alfred Louis Heinrich (1898-1984) in den Betrieb; 1958 folgte dessen Sohn Heinz. Neu ist nur die Frau an der Spitze; Yvonne Bauer steht seit 2005 an der Seite ihres Vaters und Beraters.

Wohin mit den Ersparnissen?

Auch der Rest der Familie wird traditionell gut versorgt. Die ausgeschiedenen Geschwister Hollmann betreiben renommierte Hotels wie das „Gastwerk“ und „The George“ in Hamburg. Die Mode-Designerin Alice von Alten bewirtschaftet das Rittergut „Gross Goltern“ bei Barsinghausen; deren Schwester Pia, eine ausgebildete Verlagskauffrau, und ihr Ehemann Joachim handeln in Lüneburg mit Immobilien.

Heinz Bauers Töchter folgen ihrem Vater. Sie legen ihre Ersparnisse in Grundstücken und Gebäuden an. Der Senior besitzt die millionenschwere Grundstücksgesellschaft Schilksee. Die vier Mädel haben das Bankgebäude Neue Mainzer Straße in Frankfurt für 30 Jahre an die Commerzbank vermietet. Während viele ihrer Zeitgenossen in einem Haus wohnen, das der Bank gehört, machen die jungen Damen es umgekehrt und verbuchen jedes Jahr 19,9 Millionen Euro an Mieteinnahmen. Ein weiteres Millionenobjekt hat das Investoren-Trio Mirja, Nicola und Yvonne an den Versicherungskonzern Deutscher Ring vermietet.

Blitzsaubere Bilanz

Die Bauer Media Group ist kerngesund. Der Umsatz stieg 2009 um 17,7 Prozent auf 2,1 Milliarden Euro. Die Fusion der vier Familienkonzerne dürfte kaum für weiteren Umsatzzuwachs sorgen, weil sie hauptsächlich Innenumsatz generiert. Die Bilanzsumme wuchs im vorigen Jahr um 26,9 Prozent auf fast 2,7 Milliarden, der Anteil des Eigenkapitals auf satte 69,4 Prozent (Vorjahr 57,0 %).

Zudem verfügt der Verlag über sehr große Reserven. Die liquiden Mittel wie Kassenstand, Guthaben bei Kreditinstituten und Schecks beliefen sich Silvester 2009 auf mehr als 903 Millionen Euro (Vorjahr 345 Mio.). Dazu kommen sonstige Wertpapiere um fast 245 Millionen (Vorjahr sieben Mio.). Damit könnten die Bauers der Nachbarfamilie Jahr deren Gruner + Jahr-Anteile locker in bar abkaufen.

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