Anzeige
Anzeige

Zahltag in Gütersloh



Für das erfolgreiche Geschäftsjahr 2010 überweist Dr. Thomas Rabe (46; Foto auf der Startseite), seit 2006 CFO der Bertelsmann AG, den Aktionären des Medienkonzerns mehr als 180 Millionen Euro. Der Geldsegen landet zunächst auf den Konten von vier Zwischengesellschaften (siehe Tabelle 1). Die Rekorddividende soll den Einbruch des Jahres 2009 kompensieren, als der Vorstand nur noch knapp 60 Millionen Euro ausschütten konnte. In den drei Vorjahren blieben in schöner Regelmäßigkeit jeweils rund 120 Millionen Euro für die Kapitalgeber übrig.


Dividende 2010 (Tab. 1)

Die Aktionäre der Bertelsmann AGStammaktien (Anzahl)Stammaktien (in %)Dividende in Euro
Bertelsmann Beteiligungs GmbH28.43133,9461.098.219
Mohn Beteiligungs GmbH26.01331,0655.901.937
Johannes Mohn GmbH15.30918,2832.899.041
Reinhard Mohn Verwaltungsgesellschaft mbH14.00716,7230.101.043
SUMME83.760100,00180.000.240

Die besagten Zwischengesellschaften sind so kompliziert miteinander verflochten, dass sogar im eigenen Haus nur wenige Insider komplett durchblicken. Kurzfassung: Die Johannes Mohn GmbH hält sämtliche Anteile der Bertelsmann Beteiligungs GmbH sowie rund 60 Prozent der Reinhard Mohn Verwaltungsgesellschaft mbH, die ihrerseits alleiniger Gesellschafter der Mohn Beteiligungs GmbH ist. Den Besitz der übrigen 40 Prozent der Reinhard Mohn Verwaltungsgesellschaft teilen sich die Witwe Liz Mohn (69) und sechs direkte Abkömmlinge von Reinhard Mohn (1921-2009). Größter Gesellschafter der Johannes Mohn GmbH ist mit 95,88 Prozent die Bertelsmann Stiftung. Die restlichen Prozente und Promille teilen sich die berühmte Bertelsmann Verwaltungsgesellschaft mbH (BVG) und die kaum bekannte RM-St-Holding KG (vollständiges Organigramm im Premium Content).

140 Millionen für die Bertelsmann Stiftung

Rein rechnerisch kann die große Bertelsmann Stiftung in diesem Jahr also mit fast 140 Millionen Euro rechnen; weitere etwas mehr als 34 Millionen entfallen auf die Familie Mohn, und über die restlichen sechs Millionen Eingang Bertelsmann-Zentralemüssen sich dann noch Liz Mohn und ihr Sohn Christoph (45) einigen. Denn Liz Mohn ist Vorsitzende der Gesellschafterversammlung und Geschäftsführerin der BVG, Christoph Mohn fungiert als persönlich haftender Gesellschafter der geheimnisvollen RM-St-Holding.

Nur noch drei Familienfremde

Der BVG hatte Reinhard Mohn per 1. Juli 1999 einen Geschäftsanteil von 500 Mark (heute 500 Euro) der Johannes Mohn GmbH übertragen und damit „die Verfügung über das Stimmrecht der Aktionäre in der Hauptversammlung der Bertelsmann AG“. Zu künftigen Gesellschaftern berief er seine Ehefrau Liz sowie fünf familienfremde Manager. Noch heute zählen sechs natürliche Personen zum Gesellschafterkreis, aber inzwischen sitzt die Prinzipalin mit ihren Kindern Dr. Brigitte (46) und Christoph Mohn nur noch drei Familienfremden gegenüber. Außerdem halten die einzelnen Herrschaften lediglich vier Prozent der Geschäftsanteile. Die absolute Mehrheit von 76 Prozent liegt bei der von Liz Mohn beherrschten BVG Stiftung.

Liz und Christoph Mohn bilden die Hauptversammlung der Bertelsmann AG

Die letzten vier Prozent der Johannes Mohn GmbH hat Reinhard Mohn der RM-St-Holding KG hinterlassen, als deren einziger Kommanditist heute die von Christoph Mohn dirigierte Reinhard Mohn Stiftung fungiert. Seit der Zusammenlegung dieses Geschäftsanteils mit dem der BVG kann die RM-St-Holding gemeinschaftlich mit der BVG über die Stimmrechte verfügen. Kurzum: Liz und Christoph Mohn bilden die Hauptversammlung der Bertelsmann AG.

Reue ist das Dessert der Genießer

Bisher hat sich die Hauptversammlung stets dem „Vorschlag für die Verwendung des Bilanzgewinns“ des Bertelsmann-Vorstands angeschlossen. Nach dem Rückkauf der Aktien der Groupe Bruxelles Lambert wurden durchschnittlich 81,7 Prozent der Gewinne auf neue Rechnung vorgetragen und im Unternehmen belassen (siehe Tabelle 2). Für die Aktionäre blieben im Schnitt 11,6 und für die Genussschein-Inhaber 6,7 Prozent.

Die Summe der Ausschüttungen auf die Genussscheine fällt mit 44 Millionen Euro diesmal allerdings niedriger aus als in den Vorjahren mit jeweils mindestens 75 Millionen. Der deutliche Rückgang liegt daran, dass die Bertelsmann AG Anfang 2010 die 21.429.521 Verkaufsangebote von insgesamt 43 Prozent der Berechtigten vollständig angenommen hat. Reue ist das Dessert der Genießer.


Gewinnverteilung 2006-2010 (Tab. 2)

Geschäfts-
jahr
Bilanz-
gewinn
(Mio EUR)
Bilanz-
gewinn
(in %)
Aktionäre
(Mio EUR)
Aktionäre
(in %)
Genuss-
scheine
(Mio EUR)
Genuss-
scheine
(in %)
Gewinn-
vortrag
(Mio EUR)
Gewinn-
vortrag
(in %)
200676510012015,77710,156874,2
200750110012023,97615,230560,9
20081.2651001209,5766,01.06984,5
20091.314100604,6755,71.17989,7
20101.32210018013,6443,31.09883,1
SUMME5.16710060011,63486,74.21981,7

__________________________________________

Die genauen Beteiligungsverhältnisse sowie die Verteilung der Stimmrechte der einzelnen Stiftungen, Holdinggesellschaften und Mitglieder der Familie Mohn zeigt Media Tribune in einem Organigramm, das im PREMIUM-Sektor der Website erworben werden kann.

Media Tribune PremiumMedia Tribune PREMIUM-Content zu Bertelsmann:
Sichern Sie sich das Organigramm mit den Beteiligungsverhältnissen
im Bertelsmann-Stiftungs- und -Firmengeflecht – Preis: 69,- EUR


Media Tribune Premium-Content
Anzeige  

MEDIA TRIBUNE UNTERSTÜTZEN

AKTUELLE KOMMENTARE

Anzeige
Anzeige

© 2017 Media Tribune. All Rights Reserved.