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DuMont-Drama: Vierhundert Jahre Kölner Klüngel



Konstantin Neven DuMont (41) wurde vor wenigen Tagen offiziell als Geschäftsführer des Kölner Traditionshauses DuMont Schauberg abberufen – nicht aber als Gesellschafter. Indessen zeichnet der zornige Verlegersohn auf der Website des Verlags immer noch als „Vorstand“ für „Unternehmensstrategie und Kommunikation“ verantwortlich. Das Drama der DuMont-Dynastie ist noch längst nicht beendet. Ein komplexes Beteiligungsgeflecht erschwert den Durchblick. Wer zieht die Zügel im Konzern? Welche Rolle spielt dabei die kaum bekannte Parallelgesellschaft Sagittarius? Wie viele Millionen Euro stehen Konstantin Neven DuMont jetzt zu?

Media Tribune blickt hinter die Kulissen.


Der Vorstand der M. DuMont Schauberg Geschäftsführungs-GmbH, der die Geschicke der Mediengruppe M. DuMont Schauberg GmbH & Co. KG (MDS) lenkt, besteht bis auf weiteres aus dem verbliebenen Geschäftsführer-Trio Christian DuMont Schütte (53) für „Verlag, Beteiligungen und Technik“, Dr. Eberhard Klein (56) für „Finanzen und Verwaltung“ und Franz Sommerfeld (61), erst im Oktober 2009 bestellt, für „Redaktion“.


DuMont Drama: Vierhundert Jahre Kölner Klüngel

Seit Jahrhunderten verbunden: Der Kölner Dom und das DuMont-Imperium


Jeder von ihnen kann die Gesellschaft nur gemeinsam mit einem der beiden anderen Geschäftsführer oder einem der drei Prokuristen des Hauses vertreten. Darüber thront der mächtige Aufsichtsrat mit Konstantins Vater Prof. Alfred Neven DuMont (83), Honorarprofessor der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg, an der Spitze.

Die acht Tageszeitungen „Kölner Stadt-Anzeiger“, „Kölnische Rundschau“, „Express“ (Köln und Düsseldorf), „Mitteldeutsche Zeitung“ (Halle), „Berliner Zeitung“, „Berliner Kurier“, „Hamburger Morgenpost“ und „Frankfurter Rundschau“ erreichen von Montag bis Freitag durchschnittlich 1.204.667 und an den Wochenenden sogar 1.363.506 Käufer (IVW 4. Quartal 2010). Damit gehört MSD zu den vier größten deutschen Zeitungsverlagen.

Parallelgesellschaft Sagittarius


Eine wichtige Rolle bei der Finanzierung der Expansion der Zeitungsgruppe spielt eine weniger bekannte Parallelgesellschaft, die Sagittarius Verwaltungs- und Beteiligungs-GmbH & Co. KG (SVB). Sagittarius (lateinisch Schütze) haftet gesamtschuldnerisch für Konsortialkredite der MDS und deren Anzeigenverwaltung von ursprünglich insgesamt 148 Millionen Euro. Außerdem teilt sich die SVB im Verhältnis von 5:4 mit der SPD-Holding Deutsche Druck- und Verlagsgesellschaft mbH eine Zahlungsverpflichtung, die aus einer Bürgschaft für den Verlag der „Frankfurter Rundschau“ resultiert. Die Ausgleichverpflichtung ist auf knapp 13,2 Millionen Euro begrenzt.

Die Geschäfte der SVB führt der Komplementär Sagittarius Verwaltungs- und Beteiligungs-GmbH. Während die Gesellschafterstruktur der SVB mit jener der MDS vollkommen identisch ist, gelten dort andere Vertretungsregeln. Dieter Schütte (87) und Alfred Neven DuMont, die Oberhäupter der beiden Familienstämme, sind einzelvertretungsberechtigt, aber deren Söhne Christian und Konstantin dürfen oder durften nur gemeinsam mit einem anderen Geschäftsführer oder dem einzigen Prokuristen Eberhard Klein unterschreiben.

Christian DuMont Schütte hat immerhin den Vorteil, dass sein Vater früher los lassen konnte und ihm die eine Hälfte der GmbH-Anteile vor einigen Jahren allein überließ. Konstantin musste sich weiterhin mit einem Sechstel begnügen, weil der charismatische Alfred Neven DuMont an seinem Drittel festhielt.

Von Neven DuMont über DuMont Schütte bis Schlagintweit


Alfred Neven DuMont und Dieter Schütte hatten 1967 gemeinsam mit Alfreds Schwager Ernst Brücher (1925-2006) die Führung übernommen. In dem Jahr starb Alfreds Vater Dr. Kurt Neven DuMont (1902-1967). Kurt leitete den 1620 gegründeten Familienbetrieb gemeinsam mit seinem Vetter August Neven DuMont (1887-1965), dem Schwiegervater von Dieter Schütte. Die beiden Cousins bildeten bereits die zehnte Generation.

Auch in den drei nächsten Generationen halten die Familien von August und Kurt Neven DuMont jeweils die Hälfte des Kommanditkapitals. Den einen Stamm führt Dieter Schütte an. Er war in erster Ehe mit Brigitte, der 1968 verstorbenen Tochter von August, verheiratet und hält mit 25 Prozent den größten Anteil. Aus dieser Ehe stammen zwei Kinder und mit seiner zweiten Ehefrau Ute hat Schütte drei weitere.


DuMont-Drama: Vierhundert Jahre Kölner Klüngel

Die Parallelgesellschaft versteckt sich im Logo: Sagittarius, der Schütze

Hilde, die andere Tochter von August Neven DuMont, starb Anfang 2009 und hinterließ ihre drei Prozent zu gleichen Teilen den beiden Kindern ihrer Schwester. Seitdem sind Cornelia Vischer (57) und Christian DuMont Schütte mit 7,5 bzw. 10,5 Prozent beteiligt. Ein weiteres Prozent hatte Cornelia bereits 2008 ihrem Sohn Gregor Vischer (22), dem ersten Gesellschafter der 13. Generation, übertragen. Mit jeweils zwei Prozent sind Marco Schütte (39) sowie die Zwillinge Ingo Schütte und Nadine Erfurt (35), die drei jüngeren Kinder von Dieter Schütte, beteiligt.

Den anderen Stamm bilden die Familien der vier Kinder von Kurt und Gabriele Neven DuMont, jüngste Tochter des Münchner Malerfürsten Franz von Lenbach (1836-1904).



Silvia (85), die Erstgeborene, ist in zweiter Ehe mit dem Diplomaten Reinhard Schlagintweit (82) verheiratet. Silvia Schlagintweit ist Diplom-Psychologin und ihr Gatte war bis 2006 Vorsitzender von UNICEF Deutschland. Aus beiden Ehen gingen jeweils eine Tochter und ein Sohn hervor: Anjella Aschoff (64) und Jürgen Scheibler (63) sowie Nicola Mayer-Schlagintweit (54) und Kaya Schlagintweit (51). Silvia Schlagintweit hat ihr Erbe so verteilt, dass sie und ihre vier Kinder jeweils ein Prozent des Kommanditkapitals halten.

Alfred, der älteste Sohn, verfügt zurzeit über 17,67 Prozent. Seine Ehefrau Hedwig (64), geborene Prinzessin von Auersperg, sowie ihr Jüngster Konstantin halten jeweils sieben und die Tochter Isabella (42) muss sich mit 5,5 Prozent begnügen. Der 1967 geborene Markus, der sich als Maler Spiridon Neven DuMont nannte, ist 1995 gestorben.

Majella (1930-2009), die zweite Tochter, war mit Ernst Brücher, dem Bruder der ehemaligen FPD-Politikerin Hildegard Hamm-Brücher (89), verheiratet. Ihre beiden Söhne Daniel Brücher-Lohrengel (56) und der als Nikolaus Brücher geborene Dokumentarfilmer Niko von Glasow (50) sind seit dem Tod der Mutter mit jeweils 1,41 Prozent beteiligt. Katharina, die 1957 geborene Tochter des Ehepaares Brücher, verstarb bereits 2005.

Dr. Reinhold Neven DuMont (74), der jüngste Bruder, besitzt fünf Prozent. Er war ebenfalls Verleger und leitete von 1969 bis 2002 den von seinem Schwiegervater Joseph Caspar Witsch (1906-1967) gegründeten Kölner Buchverlag Kiepenheuer & Witsch.

Alfred Neven DuMont dankt den Revolutionären und verärgert Axel Springer


Ein über Jahrhunderte stabiles Familienunternehmen muss einiges aushalten. Nicht nur Kriege und Inflation, Diktatur und Terror. Nach dem Attentat auf den Studentenführer Rudi Dutschke belagerten Demonstranten Ostern 1968 mehrere Druckereien, darunter MDS in Köln, um die Auslieferung der „Bild Zeitung“ zu verhindern. Damals stritten Medienexperten und Laien über Größe und Geist des Hauses Springer. Auch der junge Verleger Alfred Neven DuMont, damals mit 41 so alt wie heute sein Filius, beteiligte sich an der Debatte und schrieb im „Kölner Stadt-Anzeiger“: „Ich danke den Revolutionären“. Axel Springer kündigte daraufhin den Druckauftrag und trieb den Bau der eigenen Druckerei in Essen-Kettwig voran. Nach der Wende druckt MDS wieder Teilauflagen von „Bild“ und „Bild am Sonntag“ in Halle.

Elf Millionen Euro für Konstantin Neven DuMont


In zehn Jahren soll in Köln der 400. Firmengeburtstag gefeiert werden. In welcher Rolle Konstantin Neven DuMont daran teilnehmen wird, lässt sich heute noch nicht abschätzen. Er möchte seine Anteile versilbern und eigene unternehmerische Pläne im Mediengeschäft realisieren. Laut Deutsche Presse-Agentur, in der Konstantin Neven DuMont Aufsichtsratsmitglied ist, könnte die Auszahlung exakt ins Jubiläumsjahr 2020 fallen. Der Clan besitzt Vorerwerbsrechte und dürfte die Anteile, wie in Familienunternehmen (Beispiel: WAZ) üblich, zum Nennwert plus Agio zurückkaufen. Dem Vernehmen nach rechnet Konstantin mit 30 bis 50 Millionen Euro.

Konkreter: Allein die auf den Abtrünnigen lautenden Einlagen bei MDS und SVB addieren sich auf 11,2 Millionen Euro. Die Parten seines Vaters betragen exakt 28.266.668 Euro und jene der Mutter Hedwig weitere 11,2 Millionen. Sollten Konstantin und seine Schwester Isabella davon jeweils die Hälfte erben, könnte er eines Tages auf mehr als 30,9 Millionen kommen.

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Coypright Bildquelle: realSMILEY / flickr


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