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Kieler Grosso-Fusion zum Jahreswechsel



Die Konsolidierung der Presse-Großhändler und Vertriebsgebiete in Schleswig-Holstein geht zügig voran: Am 1. Januar 2011 nimmt das Unternehmen PV Carlsen & Lamich GmbH & Co. KG mit Sitz in Kiel seinen Betrieb auf. Es ist aus der Fusion der Grossisten Schleswig-Holsteinische Buchgroßhandlung Johann Carlsen GmbH & Co. KG, Kiel, sowie VPV-Lamich KG, Rendsburg, hervor gegangen. Nach Recherchen von Media Tribune wird Carlsen 62,5 Prozent an der neuen Firma halten, Lamich 37,5 Prozent. Persönlich haftende Gesellschafter sind Jan Carlsen (44) und Uwe Zeyn (52) sowie die im Rahmen der Vereinigung gegründete PV Verwaltungs GmbH, Kiel. Jan Carlsen, ebenfalls Komplementär der Johann Carlsen GmbH & Co. KG, und Uwe Zeyn, Komplementär der VPV-Lamich KG, sind zudem Geschäftsführer der PV GmbH.

Gebiet Carlsen

Grosso-Gebiet Carlsen

Nach Eigenangaben beliefert das Unternehmen Carlsen rund 1.700 Pressehändler im Nordosten Schleswig-Holsteins, darunter 150 Saisonkunden. Lamich hat etwa 1.200 Einzelhandelskunden im Norden und Westen des Bundeslandes.

Der nächste Schritt ist nun die Übernahme des Pressegrossisten Heinz-Ulrich Grade Zeitschriften-, Zeitungs- und Buchgroßvertrieb KG, Elmshorn, durch Carlsen & Lamich. Im September 2010 hatte das Bundeskartellamt dafür bereits grünes Licht gegeben, wann der Kauf abgeschlossen sein wird, ist allerdings unklar. Die Beteiligten rechnen damit im Laufe des Jahres 2011. Die Grade KG versorgt rund 570 Einzelhandelsgeschäfte im Südwesten Schleswig-Holsteins mit Zeitungen und Zeitschriften.

Vertriebsgebiet Lamich

Vertriebsgebiet Lamich

Mit Bauer im Konflikt


Brisant: Das Unternehmen steht im Rechtsstreit mit der Bauer Vertriebs KG, Hamburg, die ihm den Lieferauftrag für Titel der Bauer Media Group (u.a TV Movie, Freizeitwoche, Tina) mit Wirkung zum 1. März 2009 entzogen hatte. Gegen den Lieferstopp klagte Grade vor dem Landgericht Kiel mit Erfolg. Im von Bauer angestrengten Revisionsverfahren vor dem Oberlandesgericht Schleswig jedoch setzte Bauer sich durch, woraufhin Grade – mit Rückendeckung vom Bundesverband Pressegrosso, Köln – vor den Bundesgerichtshof (BGH) in Karlsruhe zog. Verhandlungstermin: 24. Mai 2011.

Der Vollständigkeit halber sei erwähnt, dass die Firma Hinrich Mügge KG, Stade, der die Bauer Vertriebs KG ebenfalls gekündigt hatte, nach der Übernahme durch die H. H. Nolte GmbH & Co. KG, Bremerhaven, im April 2010 die zunächst ebenfalls beim BGH beantragte Revision zurückgezogen hat. Sollte die Übernahme von Grade durch Carlsen & Lamich also vor der Entscheidung des BGH vollzogen sein, könnte das neue Unternehmen ebenfalls das Verfahren stoppen. Doch das ist eher unwahrscheinlich. Denn die Mitglieder des Grossoverbandes haben sich vor Monaten in einer Abstimmung zu diesem Thema einstimmig für eine Fortsetzung des Prozesses ausgesprochen.

Vertriebsgebiet Grade

Vertriebsgebiet Grade

Carlsen war übrigens ähnlich wie Grade und Mügge Anfang 2009 der Lieferauftrag für die Bauer-Zeitschriften von der Bauer Vertriebs KG gekündigt worden. Die Kündigung wurde Anfang 2009 mit Wirkung zum Ende 2009 ausgesprochen. Anders als bei Grade und Mügge, in deren Gebieten seit Anfang März 2009 der zum Bauer Konzern gehörige Grossist Pressevertrieb Nord (PVN) die Belieferung des Presse-Einzelhandels mit den Bauer-Zeitschriften besorgt (außer bei Aldi Nord, denn der Discounter lehnt eine Doppelbelieferung mit Presseprodukten ab), hatte die Bauer Vertriebs KG jedoch Carlsen die Möglichkeit geboten, sich an einer Ausschreibung des Lieferauftrages zu beteiligen. Im Herbst 2009 verständigten Bauer und Carlsen sich schließlich auf eine Fortsetzung der Zusammenarbeit.

„non liquet“-Entscheidung vor dem Landgericht Hamburg


Im April 2010 sah man sich dennoch vor Gericht wieder, genauer: vor dem Landgericht Hamburg. Gegenstand der Auseinandersetzung war die am 9. März vom Bundesverband Pressegrosso aufgestellte Behauptung, dass die Bauer Vertriebs KG die Rückgabe des laufenden Eigenvertriebs in Elmshorn an Zeyn und Carlsen von der Zahlung einer sechsstelligen Summe an PVN abhängig gemacht habe. Bauer ging dagegen juristisch vor („geschäftsschädigende Behauptung“). Zeyn und Carlsen bezeugten die Darstellung des Bundesverbandes Pressegrosso per eidesstattlicher Versicherungen und bezogen sich in ihren Aussagen auf ein Gespräch, das Heribert Bertram, Chef der Bauer Vertriebs KG, und Kerstin Gajewi, Bereichsleiterin Handel der Bauer Vertriebs KG, am 11. Februar 2010 mit ihnen geführt habe. Auch Bertram und Gajewi legten eidesstattliche Versicherungen vor.

Das Landgericht Hamburg traf schließlich eine „non liquet“-Entscheidung (weder der Tatsachenvortrag der einen noch der anderen Seite könne bewiesen werden). Im Zivilprozess verliert bei einem „non liquet“ derjenige den Rechtsstreit, der die Beweislast trägt – in diesem Fall nach Ansicht des Landgerichts der Grosso-Verband. Das heißt, das Gericht bestätigte aufgrund dieser Pattsituation die von Bauer erwirkte einstweilige Verfügung, die den Grossisten verbietet, die strittige Behauptung weiterzuverbreiten.

Ob die Firma Carlsen & Lamich nach der Übernahme von Grade in dessen Gebiet weiterhin auf die Titel der Bauer Vertriebs KG verzichten muss, bleibt also zunächst offen.

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