Anzeige
Anzeige

Online-Investments: „Springer nutzt die Chance“



Michael Rzesnitzek und Andreas von Buchwaldt, Partner der Hamburger Unternehmensberatung OC&C Strategy Consultants sehen für die meisten Verlagsangebote keine Möglichkeit, diese über Paid Content zu monetarisieren. Dennoch gebe es jetzt attraktive Möglichkeiten für Online-Investments, wie sie im Interview mit Media Tribune betonen.

Media Tribune: Wie steht es um die Beteiligungs- und Akquisitionsfreude der traditionellen Medienunternehmen in Sachen Internet?

von Buchwald

Von Buchwaldt: Sie haben in 2009 deutlich weniger Transaktionen getätigt als in 2008: Während die Verlage und TV-Sender in diesem Jahr nur 16 Beteiligungen erwarben, waren es 2008 noch 98. Grund ist zum einen, dass der Markt relativ gesättigt und die einzelnen Betätigungsfelder weitgehend besetzt sind. Hinzu kommt der wirtschaftliche Druck auf die Medienhäuser durch die Krise des Werbemarktes. Viele konzentrieren sich angesichts dieser massiven akuten Herausforderung eher auf ihr traditionelles Kerngeschäft.

Rzesnitzek: Glücklicherweise gibt es aber auch keine ‚Überreaktion’ in Richtung Portfolioreduktion. Trotz Wirtschaftskrise investieren einige Medienhäuser weiter und nutzen die Gunst der Stunde, zu vertretbaren Preisen das Portfolio sinnvoll zu erweitern, wie beispielsweise Axel Springer es tut.

Media Tribune: Stellen Sie eine Schwerpunktverlagerung in der Investment-Strategie fest?

Resnitzek

Rzesnitzek: Insbesondere im Bereich Content nimmt die Aktivität ab. Mit The-Avastar.com von Springer oder Zoomer.de von Holtzbrinck gibt es sogar  prominente Beispiele dafür, dass Geschäfte eingestellt werden. Rein werbefinanzierte ‚Stand-Alone’-Content-Angebote werden auch künftig stark gefährdet sein.

Media Tribune: Sind Paid Content-Modelle erfolgversprechend?

Von Buchwaldt: Nur sehr spezifische Inhalte und außergewöhnliche Funktionalität lassen sich derzeit per Paid Content-Modellen refinanzieren. Am ehesten gelingt das im Fach- bzw. B2B-Bereich. Für die mit Abstand meisten Verlagsangebote wird Paid Content kurz- und mittelfristig kein wirkliches Erfolgsmodell werden – es gibt in den meisten Bereichen einfach zu viele alternative kostenlose Quellen für mindestens ähnliche Inhalte.

Media Tribune: Was sind die Haupttrends im Bereich nicht-markenbezogener Online-Aktivitäten der Medien?

Rzesnitzek: Neben einer stärkeren Rendite-Orientierung lassen sich drei weitere Trends erkennen:

1) Finanzinvestitionen und strategische Investitionen werden klarer voneinander getrennt. Die Medienhäuser lagern die vom Kerngeschäft zu weit entfernten Investitionen bevorzugt aus. Ein gutes Beispiel hierfür liefert die Zusammenarbeit der Burda Gruppe mit Acton Capital, einem Venture Capital Unternehmen mit Fokus auf internetbasierte und mobile Anwendungen. Beteiligungen wie Blog.de oder Travel IQ werden von Acton Capital verwaltet. Investitionen, die das Kerngeschäft betreffen, verbleiben dagegen in den Medienhäusern. Burda hat für die Entwicklung printnaher Online-Aktivitäten das sogenannte I-Lab gegründet.

2) Ein weiterer Trend besteht darin, digitale Ressourcen stärker zu verzahnen sowie effizienter zu führen. Wichtig ist dabei jedoch, dass die Online-Einheiten autark und flexibel bleiben. Die Verlagsgruppe Georg von Holtzbrinck beispielsweise hat durch die Gründung von Holtzbrinck Digital eine neue  Struktur geschaffen, die besser als zuvor ermöglichen soll, strategische und operative Synergien digitaler Einheiten zu nutzen.

3) Stärker als in den Jahren zuvor werden Online-Beteiligungen in die Kernorganisation integriert und damit in die Obhut der Marken- oder Themenverantwortlichen übergeben. Gruner + Jahr etwa hat die New Media Ventures GmbH aufgelöst.

Media Tribune Premium-Content
Anzeige  

MEDIA TRIBUNE UNTERSTÜTZEN

AKTUELLE KOMMENTARE

Anzeige
Anzeige

© 2017 Media Tribune. All Rights Reserved.