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Verleger kontrollieren ein Viertel des Pressegrosso-Systems



Das deutsche Pressegrosso-System regelt, dass Grossisten als unabhängige Dienstleister der Medienunternehmen deren Zeitungen und Zeitschriften an die Kioske und Supermärkte verteilen. Jede Publikation soll im Einzelhandel die gleichen Chancen haben, damit die Pressevielfalt gewährleistet bleibt. Zentrale Bedeutung hat dabei die Neutralität. Deshalb werden Beteiligungen der Verlage an den Grosso-Betrieben kritisch gesehen.

Das Jahr 2011 wird die Debatte weiter anheizen. Denn es stehen etliche Firmen-Zusammenschlüsse an, um die Vertriebskosten zu senken. Der Bundesverband Presse-Grosso befürchtet, dass sich im Zuge dessen das Verlagsgrosso ausbreitet. Die Axel Springer AG, die in insgesamt zehn Betrieben zu den Gesellschaftern gehört, hat jetzt allerdings eine Vereinbarung mit dem Verband getroffen, dass sie ihre Anteile an dem neuen Unternehmen veräußern würde, wenn es zu Mischfusionen zwischen Großhändlern mit und ohne Springer-Beteiligung kommen sollte. Die Bauer Media Group hingegen wolle dem Vernehmen nach ihr Engagement ausbauen. Es drohen Konflikte. Welche Anteile die einzelnen Medienkonzerne heute besitzen, ist jedoch kaum bekannt. Hier die Media Tribune-Übersicht:

Verleger kontrollieren ein Viertel des Pressegrosso-Systems

Etliche Fusionen der Grosso-Betriebe stehen bevor

Zurzeit beliefern 69 Grossisten mehr als 120.000 Einzelverkaufsstellen in der Bundesrepublik Deutschland mit Presseerzeugnissen. Von ihnen sind 54 im Bundesverband Deutscher Buch-, Zeitungs- und Zeitschriften-Grossisten (Grossoverband) organisiert und beliefern rund 80 Prozent aller Einzelverkaufsstellen.

Die übrigen Grossisten haben sich zur Arbeitsgemeinschaft Pressevertrieb (APV) zusammengeschlossen. An zwölf der 15 APV-Mitglieder sind Verlage beteiligt, aber auch an drei Verbandsmitgliedern. Damit wird etwa ein Viertel aller Einzelverkaufsstellen von Grossisten mit Verlagsbeteiligung beliefert.

Von den insgesamt 15 Grossisten mit Verlagsbeteiligung bedienen sieben die neuen Bundesländer (Grosso Ost), sechs liefern die Ware in Westdeutschland und zwei in West-Berlin (Grosso West) aus. Während die meisten Grossogebiete exklusiv versorgt werden, agieren in den beiden größten deutschen Städten drei (Berlin) bzw. zwei (Hamburg) Betriebe nebeneinander, die jeweils von Verlagen beherrscht werden.

Berlin und Hamburg in Verlagshand


Klassische Verlagsgrossisten sind die Berliner Presse Vertrieb GmbH & Co. KG, die V.V. Vertriebsvereinigung Berliner Zeitungs- und Zeitschriften Grossisten GmbH & Co. KG, die Buch- und Presse-Großvertrieb Hamburg GmbH & Co. KG und die Pressevertrieb Nord KG. Der Berliner Presse Vertrieb berichtet an Gruner + Jahr und damit an den Bertelsmann-Konzern, an V.V. sowie Buch und Presse ist Axel Springer maßgeblich beteiligt und der Pressevertrieb Nord gehört vollständig zum Heinrich Bauer Verlag.

Später gründeten die Verlage den Presse-Vertrieb Pfalz (PVP) in Frankenthal. PVP fusionierte inzwischen mit dem Verbandsgrossisten Roth + Horsch aus Weiterstadt. Seitdem hält Roth + Horsch mit gut 63 Prozent die Mehrheit an der neuen Frankenthaler Pressevertrieb Roth + Horsch GmbH & Co. KG und ist aus dem Verband ausgeschieden.

„Verlagsgrossisten“ im Verband der Unabhängigen


Andererseits gehört der Düsseldorfer Pressevertrieb & Leister GmbH & Co. KG (DPV) dem Verband an, obwohl auch hier Verleger als Minderheitsgesellschafter auftreten. Es ist die Familie der Brüder Tilman Droste (Geschäftsführer des DPV) und Felix Droste (Inhaber der Reisebüro Droste GmbH & Co. KG) die mit 23,44 Prozent an der Rheinisch-Bergischen Verlagsgesellschaft („Rheinische Post“) beteiligt ist.

Verleger kontrollieren ein Viertel des Pressegrosso-Systems

Die Nordbayerische Presse Vertriebs GmbH & Co. KG (NPV) beliefert die meisten Verkaufstellen

Ebenfalls Verbandsmitglieder sind die Presse-Grosso Giesdorf GmbH & Co. KG in Detmold und die Nordbayerische Presse Vertriebs GmbH & Co. KG (NPV) in Nürnberg, die sich beide sogar vollständig im Besitz von Zeitungsverlegern befinden. Zu Giesdorf gehört die „Lippische Landes-Zeitung“ und hinter dem NPV steht der Verlag Nürnberger Presse („Nürnberger Nachrichten“ und „Nürnberger Zeitung“). Am Rande sei erwähnt, dass die Nürnberger mit mehr als 6.900 so viele Verkaufstellen beliefern wie kein anderer.


Boom nach der Wende


War der Einstieg in Grossounternehmen früher nur eine Disziplin einiger Großverlage, sind nach der Wende auch zahlreiche mittelständische Zeitungs- und Zeitschriftenverleger in dieses Geschäft eingestiegen. Heute bestehen 185 Verlagsbeteiligungen im Osten und 48 im Westen. Diese verteilen sich auf 54 Pressehäuser und Nationalvertriebe.

Die große Verlagspräsenz im Osten entstand durch ein duales System, dass die fünf neuen Bundesländer und Ost-Berlin auf sieben Verlags- und neun „freie“ Grossisten verteilen. Die Betriebe in Verlagshand sind die PVB Presse Vertrieb GmbH & Co. KG Berlin in Hoppegarten, die Presse-Vertrieb Dresden GmbH & Co KG daselbst, die Presse-Vertrieb Halle GmbH & Co. KG in Landsberg, die Presse-Vertrieb Leipzig GmbH & Co. KG in Gerichshain, die Pressevertrieb Magdeburg GmbH & Co. KG in Sülzetal, die Presse-Vertrieb Mecklenburg West GmbH & Co. KG in Leezen und die MPV Mitteldeutscher Presse Vertrieb GmbH & Co. KG in Mörsdorf.

Springer und Burda am engagiertesten


Die wichtigsten Player im Verlagsgrosso sind neben Springer und Burda, die jeweils an zehn Grossisten beteiligt sind, neun Wettbewerber mit jeweils neun Beteiligungen. Das sind der Verleger Dieter von Holtzbrinck sowie die Häuser Bastei Lübbe, Bauer, Egmont EHAPA, Gruner + Jahr, Klambt, Nürnberger Presse, Spiegel-Verlag und „Westdeutsche Allgemeine Zeitung“ (WAZ). Die „Frankfurter Allgemeine“ und der Jahreszeiten Verlag kommen immerhin auf acht Zähler.

Verleger kontrollieren ein Viertel des Pressegrosso Systems

Die Axel Springer AG hat unter den Verlagen den größten Anteil am Grosso

Die Axel Springer AG führt beide Listen (zur Anzahl und zur Höhe der Beteiligungen) nicht nur alphabetisch an. Deutschlands größter Zeitungsverlag ist neben den von ihm dominierten Grossohäusern in Hamburg (69,77 %) und Berlin (48,5 %) auch in Frankenthal (15,18 %) und an den erwähnten Seven Sisters im Osten beteiligt, wo er zusammen mit seiner Tochter WBV Wochenblatt Verlag jeweils mindestens elf Prozent hält. Damit hält Springer unter den Verlagen nicht nur die meisten Grosso-Beteiligungen, sondern auch den größten Anteil am deutschen Grosso-System.

Der Zeitschriften-Champion Heinrich Bauer Verlag partizipiert an den Ossi Grossi mit Quoten zwischen 7,95 und 11,24 Prozent. Im Westen besitzt er neben dem Pressevertrieb Nord 11,38 Prozent in Frankenthal.

Der Deutsche Pressevertrieb von Gruner + Jahr addiert mit dem Anhänger Motor Presse Stuttgart (59,9 %) in den neuen Bundesländern zwischen 7,77 und 8,33 Prozent. Dazu kommen der Berliner Presse Vertrieb und die Summe von 4,26 Prozent in Frankenthal.

Hubert Burda Media hat sich im Osten sogar dreifach engagiert. Die Konzerntöchter Burda GmbH, Verlag Aenne Burda und „Super Illu“ erreichen dort die vereinigten Quoten von 6,66 bis 7,14 Prozent. Im Westen hält Burda drei Beteiligungen bei Buch und Presse in Hamburg (10,71 %), V.V. in Berlin (5 %) sowie in Frankenthal (2,37 %).

Die WAZ kommt mit ihren Sparten Gong Verlag, Braunschweiger Zeitungsverlag und Zeitungsgruppe Thüringen in Ostdeutschland auf Beteiligungen von 6,66 bis 8,57 Prozent. Im Westen halten die WAZ-Töchter Gong und Welt am Sonnabend 5,60 Prozent an Buch und Presse sowie 1,42 in Frankenthal.

Der Nationalvertrieb MZV, ein Joint Venture von Burda und WAZ (jeweils 40 %) hält 5,06 Prozent an Buch und Presse. Sein 51-Prozent-Ableger Partner Medien Services besitzt mittelbar weitere 1,41 Prozent. Ein Prozent hält Partner mittelbar auch an der Vertriebsvereinigung in Berlin. Dazu kommen weitere Anteile an fünf Grossisten im Osten.

Dieter von Holtzbrinck verfügt via „Handelsblatt“ über mehr als zwei Prozent an allen östlichen Verlagsgrossisten. Seine Objekte „Tagesspiegel“ und „Zweite Hand“ sind bei PVB und der Vertriebsvereinigung in Berlin beteiligt. Weitere Anteile an der V.V. hält er über „Zitty“ und seine Hälfte der „Zeit“.

Die Medien Union aus Ludwigshafen hält über die Chemnitzer „Freie Presse“ Anteile am MPV. Über die Beteiligung an der Südwestdeutschen Medien Holding (46,82 %) in Stuttgart ist sie an weiteren Ostgrossisten beteiligt. Die „Süddeutsche Zeitung“ aus München, an der die Stuttgarter wiederum 81,25 Prozent halten, sind an allen sieben Betrieben engagiert, die Süddeutsche Tochter „Frankenpost“ in Hof zusätzlich beim MPV.

Die Mediengruppe M. DuMont Schauberg ist per „Frankfurter Rundschau“ an den sieben Ostgrossisten beteiligt und hält weitere Anteile über den Berliner Verlag in der Bundeshauptstadt sowie in Halle und Magdeburg über die „Mitteldeutsche Zeitung“.

Die Verlagsgesellschaft Madsack („Hannoversche Allgemeine Zeitung“) investiert ebenfalls in den neuen Ländern. Außer der Direktbeteiligung am Pressevertrieb Magdeburg ist der Verlag der „Leipziger Volkszeitung“ (85 % bei Madsack) an den Grossi Dresden, Halle, Leipzig, Magdeburg und MPV beteiligt. Über die Hanseatische Verlags-Beteiligungs AG (51 %) und die „Lübecker Nachrichten“ (49 %) ist Madsack indirekt mit 61,24 Prozent bei der MV-Beteiligungsgesellschaft in Rostock engagiert. MV hält Anteile am Grossohaus Mecklenburg West.

Der Verlag Nürnberger Presse hält neben sämtlichen Anteilen am NPV über seine Tochter Olympia-Verlag („Kicker“) Beteiligungen an den sieben Verlagsgrossisten im Osten sowie an der Vertriebsvereinigung in Berlin.

Auch bei den kleineren und mittleren Verlagen gibt es Kapitalverflechtungen, die den Großhandel tangieren. So hält die Marquard Media AG aus dem Kanton Zug direkt Anteile am Berliner Presse Vertrieb sowie bei Buch und Presse, während die Tochter Computec Media AG (91,75 %) aus Fürth bei V.V. beteiligt ist.

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Die komplette Übersicht über die Beteiligungsverhältnisse der Verlagsgrossisten – Preis: 99,- EUR


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