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Die Jahre des Aufbaus von Gruner Druck zu einer der führenden Tiefdruckereien Deutschlands (1946 – 1965)



Tiefdruckmaschine 1946: entrostet und gereinigt

Tiefdruckmaschine 1946: entrostet und gereinigt

1946: Am 22. Dezember wird Richard Gruner auf ungeklärte Weise von einem britischen Militärfahrzeug angefahren und erliegt vier Tage später seinen Verletzungen; einen Tag, nachdem sein Sohn und Erbe Richard 21 Jahre alt und damit volljährig geworden ist. Als Ergänzung zu seinem kaufmännischen Wissen hat dieser sich zuvor noch technische Kenntnisse als Drucker angeeignet. Der Lehrbetrieb, die Hamburger Druckerei Broschek, war damals im Tiefdruck führend.

Diese berufliche Kombination kann Richard Gruner bald verwerten, denn sein Vater hat kurz vor seinem Tod noch eine gebrauchte Tiefdruckrotationsmaschine von Dr. Gerd Bucerius vom ZEIT-Verlag, Hamburg, gepachtet, die aus den Kriegstrümmern in Stuttgart stammt und mühsam wieder instandgesetzt werden muss. Damit wird eine Verbindung geknüpft, die später bis zu einer Vereinigung der beiden Unternehmen führt. Mit dieser Druckmaschine wird für Gruner die Voraussetzung für die erste Produktion von Zeitschriften in noch bescheidenem Umfang geschaffen. Das erweist sich als günstig, denn mit den Lizenzen der Alliierten entstehen rasch neue Presseerzeugnisse, deren rasch steigende Auflagen am besten im Tiefdruck zu produzieren sind.

Der junge Chef Richard Gruner

Der junge Chef Richard Gruner

1949: Für einen damals außerhalb Hamburgs zunächst noch weitgehend unbekannten jungen aufstrebenden Verleger Axel Springer druckt Gruner & Sohn jede Woche sechzehn Seiten einer Rundfunk-Programmzeitschrift mit dem Titel „Hör Zu”. Als sie gestartet wird, ist sie konkurrenzlos, weil niemand sonst in dieser britischen Zone eine Verlagslizenz für ein solches Blatt besitzt.

Für Gruner erweist sich jedoch ein Druckvertrag mit dem Henri-Nannen-Verlag am folgenreichsten, der die ein Jahr zuvor in Hannover gestartete Illustrierte „Stern” unter Henri Nannen herausgibt. Noch wird das Blatt mit seinen 24 Seiten in Duisburg gedruckt, doch das Gruner-Angebot ist vorteilhafter für den Nannen-Verlag. Zudem kommt ja auch die gepachtete Itzehoer Rotation vom ZEIT-Verlag. Vorsichtshalber übernimmt die Druckerei anfänglich nur eine Teilauflage, damit das Blatt auch beim Ausfall der Maschine erscheinen könnte.

1950: Für Gruner bringt der Druckvertrag mit dem Henri-Nannen-Verlag weiteren Aufschwung. Am 14. Mai 1950 erwerben Dr. Gerd Bucerius und Ewald Schmidt je 25 Prozent Anteile am Nannen-Verlag von Walter Heise und der Grundstücksgesellschaft Duisburg, die sich aus dem für sie bislang unprofitablen Geschäft mit dem „Stern“ zurückziehen. Der ZEIT-Verlag hält jetzt 50 Prozent der „Stern“-Anteile, Walter Heise 12,5 Prozent und Henri Nannen weiterhin 37,5 Prozent. Der Nannen-Verlag und die Redaktion des „Stern“ werden nach Hamburg verlegt.

"Stern"-Erstausgabe 1948

Stern”-Erstausgabe 1948

Richard Gruner setzt unternehmerisch voll auf diesen Kunden. Der „Stern“ erreicht bereits ein Jahr später eine Druckauflage von einer halben Million. Gruner kauft Anteile des Jadedruck, eines im Hamburger Pressehaus angesiedelten graphischen Betriebs mit dem Schwergewicht auf Satzherstellung. Dort werden schon die „Zeit”, der „Stern” und einige im ZEIT-Verlag erscheinende Wochenblätter gesetzt. Der Betrieb wird in Gruner Druck umbenannt und in den folgenden Jahren modernisiert.

Um seine wachsenden technischen Investitionen und den lukrativen Druckvertrag zu sichern, beteiligt sich Richard Gruner am ZEIT-Verlag: Am 10. Oktober 1950 erwirbt er von Walter Heise dessen Anteil von 12,5 Prozent. Die Anteile verteilen sich nun wie folgt: Der ZEIT-Verlag hält 50 Prozent am Nannen-Verlag; Martha Nannen 37,5 Prozent und Richard Gruner 12,5 Prozent. Die „Stern”-Auflage steigt weiter, und im Vertrauen auf das Käuferpotenzial dieses Blattes bestellt Richard Gruner eine neue und größere Rotationsmaschine.

1951: Die wachsende „Stern“-Auflage wurde seit Jahresmitte auf zwei Rotationsmaschinen produziert. Um diese beiden Maschinen auch in den Tagen auszulasten, in der kein „Stern” gedruckt wird, müssen zusätzliche Druckaufträge hereingeholt werden. Den Anfang macht die unterhaltende Wochenzeitschrift „Frau im Spiegel” des Ehrlich-Verlags, der diesen Titel 1976 an Gruner + Jahr verkaufen wird.

1950: In dieser Woche wurden erstmals eine halbe Million "Stern"-Hefte gedruckt

1950: In dieser Woche wurden erstmals eine halbe Million „Stern”-Hefte gedruckt

1953: Richard Gruner wird für kurze Zeit auch verlegerisch tätig und bringt u.a. die „Illustrierte Post“ als eine 16-Seiten-Zeitung heraus, die nur 20 Pfennig kostet und in Konkurrenz zur „Bild“-Zeitung von Axel Springer steht. Das Experiment misslingt: Ein Jahr später stellt er die Produktion wieder ein.

Dafür funktioniert ein anderes Vorhaben umso besser, bei dem das Risiko nur in technischen Schwierigkeiten liegt, zumal es sich hier um einen altbekannten Kunden handelt: Auf der Rotation werden für die Zigarettenfabrik Reemtsma die Packungen der Marke „Zuban” gedruckt, in sattem und dunklem Rot mit feiner negativer Schrift. Das hat es im Tiefdruck noch nicht gegeben, nach vielen Versuchen wird eine gute Druckqualität erreicht.

Mit technischen Herausforderungen ist auch die Herstellung der 14täglich erscheinenden Zeitschrift „Film und Frau“ aus dem Hamburger Jahreszeiten Verlag verbunden, denn es ist nach der damaligen Technik nicht einfach, ihre braunviolette Grundfarbe sowie die ohnehin schwierige Zusatzfarbe Gold mit der Drucktechnologie jener Jahre herzustellen.

1954: Am 31. Januar erscheint der „Stern“ erstmals mit farbigem Titel. Es zeigt Marilyn Monroe, das Sex-Idol jener Jahre. Auf der Rückseite des „Stern“-Umschlags inseriert der Nahrungsmittel-Hersteller Nestlé ebenfalls vierfarbig. Damit setzt sich beim „Stern“ der Vierfarbdruck durch, zunächst überwiegend in der Form von Anzeigen, später auch durch redaktionelle Beiträge. Zu den gefürchteten Besuchern von Gruner Druck gehört über Jahrzehnte „Stern”-Chefredakteur Henri Nannen. Wenn er häufig am Abend des Redaktionsschlusses, damals der Freitag, in Itzehoe angekündigt wird, bricht dort Hektik aus, denn Nannen lässt sich alle bereits auf Glasplatten montierten, druckfertig gezeichneten Formen noch einmal vorführen. Und oft genug findet er Stellen, die redaktionell, graphisch oder auch in der Reproduktion verbessert werden können. Dann werden ganze Seiten neu umbrochen – ohne Rücksicht auf den Andrucktermin.

1955: Neben der Zeitschriftenproduktion gewinnt der Katalogdruck in den Jahren des Wirtschaftswunders stark an Bedeutung und damit das Druckvolumen, was wiederum zu weiteren technologischen Verbesserungen im Druckbereich führt. So sorgt eine neue elektronische Steuerung dafür, dass beim Vierfarbdruck die Zylinder der verschiedenen Farben mit ihrem Abdruck immer genau übereinander passen; die ungenaue Farbregulierung von Hand kann wegfallen. Durch die technisch gute Qualität der Druckerzeugnisse fällt es leicht, neue Kunden mit großen Aufträgen zu gewinnen.

Dieser „Akzidenz“-Druckbereich gewinnt am Bedeutung für Produktion und Gewinn: Der Oetker-Konzern lässt z.B. seinen Kalender mit mehr als einer Million Auflage bei Gruner Druck produzieren. Die vierfarbigen Kataloge des Bekleidungshauses Peek & Cloppenburg kommen zwei Mal im Jahr mit 600.000 Exemplaren aus den Maschinen. Dazu werden jeweils alle abgebildeten Kleidungsstücke nach Itzehoe gebracht, damit beim Andruck geprüft werden kann, ob die Farben auf dem Prospekt mit denen des Originals übereinstimmen. Das stürmische Wachstum der Druckaufträge macht abermals die Anschaffung neuer Maschinen notwendig. Erstmals werden fünf Tiefdruckwerke für doppelbreite Papierrollen aufgestellt.

1956: Der Bertelsmann-Verlag in Gütersloh wird als neuer Akzidenz-Kunde gewonnen; vier Klub-Zeitschriften mit den Angeboten von Büchern, Schallplatten usw. werden jeweils vier Mal im Jahr mit einer Gesamtauflage von 1,3 Millionen ausgeliefert. Während bisher alle in mehreren Produkten gedruckten Hefte in Handarbeit zusammengesteckt wurden, fällt dieser Aufwand an Zeit und Arbeitskraft von nun an weg: Die ersten Sammelhefter der einzelnen Druckprodukte mit automatischen Anlegern werden aufgestellt, und die Pakete werden fortan maschinell verschnürt.

1957: Die 14täglich erscheinende Frauenzeitschrift „Constanze“ des Verlegers John Jahr, die jetzt bei Gruner gedruckt wird, hat eine Auflage von mehr als 600.000 Exemplaren. Mit diesem Druckauftrag kommt es – nach Gruners Beteiligung am ZEIT-Verlag von Bucerius – erstmals auch zu einer Verbindung der Unternehmer Gruner und Jahr, die acht Jahre später zu einem gemeinsamen Unternehmen – Gruner + Jahr – führen wird. Der „Stern“ ist weiterhin erfolgreich; seine Auflage überschreitet die Millionengrenze.

1959: Während die Jahre des Wirtschaftswunders bereits zu Ende gehen, hält jedoch der Boom der Druckbranche zunächst unvermindert an. Das führt für viele Druckereien zu einem Facharbeitermangel, insbesondere in Itzehoe, weil Facharbeiter aus Hamburg nur ungern in die Kleinstadt Itzehoe wechseln. Aus diesem Grund wird vor Ort die Lehrlingsausbildung intensiviert: Eine eigene Abteilung mit Tiefdruckmaschinen für die Drucker und mit Geräten für die Fotografen und Retuscheure wird eingerichtet. Der größte Teil der Ausbildung findet in dieser Abteilung statt; erst im letzten Lehrjahr wird das Wissen in der Produktion erprobt. Gruner & Sohn bekommt damit in jeder Hinsicht eine führende Position im deutschen Tiefdruckmarkt.

(Fotonachweis: Alle Bilder G+J-Archiv, u.a. aus der Festschrift „125 Jahre Gruner Druck”, 2004)

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