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Gruner Druck geht in „Prinovis“ auf: ein neues Druck-Gemeinschaftsunternehmen von arvato-Bertelsmann, Gruner + Jahr und Axel Springer AG in einem schwierigen Marktumfeld von 2005 bis 2011



2004 werden in Europa 5,5 Millionen Tonnen Papier für Zeitschriften und Kataloge bedruckt, davon knapp 50 Prozent in Deutschland. Der Anteil des Tiefdrucks am Zeitschriften- und Katalogmarkt beträgt in Europa über 50 Prozent. Beim Gesamtpapierverbrauch in Deutschland umfasst der Anteil des Tiefdrucks etwa 25 Prozent. Die Industrie ist mit 20.000 Beschäftigten und mehr als acht Milliarden Euro Umsatz ein bedeutender Teil der Medienindustrie. Deutschland ist mit 95 installierten Tiefdruckmaschinen führend, gefolgt von Italien (36), Frankreich (23) und den Niederlanden (20).

Aber anhaltend schwierige konjunkturelle Rahmenbedingungen kennzeichnen den deutschen und europäischen Tiefdruckmarkt. Er leidet unter dem nach wie vor schwachen Werbemarkt und ist auf Anbieterseite durch Überkapazitäten geprägt, die zu einer nachhaltigen Verschärfung des ohnehin hohen Preisdrucks führen. Daher gibt es in Europa Konsolidierungen und Insolvenzen.

Vor diesem Hintergrund wird eine Großfusion verhandelt: Der Axel Springer Verlag und Bertelsmann wollen ihre Tiefdruckereien zusammenlegen. Im Zuge der Printmedienkrise war das Auftragsvolumen der Druckereien beider Medienhäuser seit Jahren stark rückläufig. Viele Verlage überlegten, ihre Druckereien abzugeben. Treiber der Konsolidierungswelle ist vor allem der Kostendruck, der schwache Werbemarkt, die rückläufigen Auflagen und die Konkurrenz aus Osteuropa.

Gegen eine Fusion der Tiefdruckereien von arvato-Bertelsmann und Axel Springer opponiert die Familie Jahr als G+J-Minderheitsgesellschafter: Denn der geplante Zusammenschluss könnte sich gegen die Druckereien von Gruner + Jahr in Itzehoe und Dresden und somit gegen die Interessen der Familie Jahr richten. Ein solcher neuer Verbund würde den Wettbewerb im Druckgeschäft und somit für Gruner + Jahr verschärfen. Daher erwägt die Familie Jahr, gegen das geplante Vorhaben zu klagen. Letztlich wird Gruner + Jahr in die Fusionsgespräche zwischen arvato-Bertelsmann und Springer als dritter Partner einbezogen. Für Gruner + Jahr führt dessen damaliger Vorstandsvorsitzender Dr. Bernd Kundrun die Fusionsverhandlungen.

2005: Die Tiefdruckaktivitäten von Gruner + Jahr werden mit denen von arvato-Bertelsmann und Axel Springer nach Freigabe der EU-Behörde rückwirkend zum 1. Januar 2005 in einer neuen, eigenständigen Firma zum größten Illustrationsdruck-Konzern Europas zusammengeschlossen, der neuen PRINOVIS. Der Name „Prinovis” steht für Print, Innovation und Vision. An diesem Unternehmen sind zum Zeitpunkt der Gründung Gruner + Jahr und arvato-Bertelsmann zu je 37,45 Prozent und Axel Springer zu 25,1 Prozent beteiligt. Ziel ist es, die Druckaktivitäten der drei Gesellschafter im wettbewerbsintensiven europäischen Illustrationsdruck-Markt langfristig zu sichern und auszubauen. Das neue Unternehmen wird an insgesamt sechs Produktionsstandorten – in Ahrensburg, Darmstadt, Dresden, Itzehoe, Liverpool und Nürnberg – tätig sein.

Der damalige G+J-Vorstandsvorsitzende Dr. Bernd Kundrun übernimmt bis 2008 den Vorsitz im Aufsichtsgremium des Gemeinschaftsunternehmens. Mit dem Joint Venture stößt das G+J-Druckereigeschäft in eine neue Dimension vor. Die Bedeutung dieses Geschäftsbereichs für G+J nimmt also nicht etwa ab, im Gegenteil, er wächst.

Das Druck- und Verlagshaus Gruner + Jahr wird ab Mitte 2005 im Handelsregister in Hamburg geführt, was die Verankerung des Druck- und Verlagshauses am Medienstandort Hamburg und seine zentrale Bedeutung für die internationalen Medienmärkte dokumentieren soll. 1965 wurde G+J im Handelsregister von Itzehoe eingetragen, dem Firmensitz von Gruner & Sohn, hatte aber stets den Unternehmenssitz in Hamburg.

2010: Richard Gruner verstirbt am 15. Januar im Alter von 84 Jahren in Liechtenstein. Der deutsche Medienunternehmer hatte seit 1968 seinen Wohnsitz in Vaduz. Mit ihm ist der letzte lebende Gründungsunternehmer des Druck- und Verlagshauses Gruner + Jahr verstorben.

Dr. Bernd Buchholz, ehemaliger G+J-Vorstandsvorsitzender zu dem Tod Richard Gruners: „Richard Gruner ist mit seinen Namen heute und in Zukunft in diesem Hause präsent. Seinem Lebenswerk zollen wir großen Respekt. Mit seiner Druckerei schuf er die Grundlage für unseren heutigen Konzern. Als Vorsitzender der Geschäftsführung hatte er in der Frühzeit des Unternehmens großen Anteil an einem erfolgreichen Start von Gruner + Jahr, dem heute größten Magazinverlag Europas. Es war sein persönliches Anliegen, Gruner + Jahr als ‘liberales Haus’ zu führen und für die wirtschaftlichen Grundlagen zu sorgen, dass freie Journalisten frei ihrer Arbeit nachgehen können. Wir werden uns stets dankbar an den Mitbegründer unseres Unternehmens erinnern.“

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