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Dramatische Rochaden im Ranking der deutschen Großverlage



Es waren einmal vier Großverlage. Sie beherrschten die deutsche Zeitungs- und Zeitschriftenlandschaft und expandierten über Europas Küsten hinaus bis nach Übersee. Auch heute noch dominieren die Häuser Axel Springer, Hubert Burda Media, Bauer Media Group sowie die Bertelsmann-Tochter Gruner + Jahr die gute alte Printszene, aber die digitale Transformation wirbelte die Hackordnung der Gilde kräftig durcheinander.

Fünfjahresvergleich: Burda und Gruner haben die Plätze getauscht

Blicken wir zunächst auf den Fünfjahresvergleich der vier Großverlage (siehe Tabelle 1). Branchenprimus und Springer-Vorstandsvorsitzender Dr. Mathias Döpfner (52) hat das Springer-Portfolio um zahlreiche Traditionsmarken wie „Hörzu“ und „Hamburger Abendblatt“ erleichtert und beschlossen, das führende digitale Medienhaus zu zimmern. Dabei kommt ihm ein erneuter Anlauf auf das private TV-Konglomerat ProSiebenSat.1 nicht ungelegen. Auch ohne die Sendererlöse und trotz des abgestoßenen Blattwerks konnte das Unternehmen 2014 die Poleposition halten und seinen Umsatz aus dem Jahr 2010 um fünf Prozent übertreffen.

Auf den Plätzen verteidigte die Bauer Media Group souverän Rang drei, indem Verlegerin Yvonne Bauer (38) den Konzernumsatz in ihrer ersten Halbdekade step-by-step um beachtliche 6,3 Prozent verbesserte. Zwischen den im früheren Leben so erfolgsverwöhnten Nordlichtern von Gruner + Jahr und den aufstrebenden Südstaatlern von Burda gab es indessen eine dramatische Rochade.

Während G+J unter der Regie der beiden Chefs Dr. Bernd Buchholz (53) – bis September 2012 im Amt – und Julia Jäkel (43) – seit April 2013 am Ruder – um sagenhafte 800 Umsatzmillionen abspeckte, brillierte der Burda-Vorstand um den Vorsitzenden Dr. Paul-Bernhard Kallen (58) und Verlags-Chef Philipp Welte (53) mit einem Erlöszuwachs von mehr als 700 Millionen Euro.

Bauer siegt im Ausland

Der eklatante Umsatzverlust der Bertelsmann-Filiale, die sich bis vor Kurzem gern als „Europas größter Zeitschriftenverlag“ fühlte, betrifft zu mehr als 500 Millionen das Auslands- und zu weiteren knapp 300 Millionen das Inlandsgeschäft. Das Springer-Wachstum wiederum wurde mit fast 500 Millionen jenseits der deutschen Grenzen erzielt, was dem Konzern den zweiten Platz im internationalen Ranking einbringt.

Klarer Sieger ist hingegen die Familie Bauer, die mit 64,9 Prozent im Ausland sogar eine höhere Quote ausweist als der ewige Platzhirsch, die große G+J-Mutter Bertelsmann, mit 64,8 Prozent Auslandsanteil. Burda, der einzige Plusmacher in Deutschland, verbucht mit 64,3 Prozent auch im Ausland den höchsten Zuwachs, hat aber mit einem knappen Umsatzdrittel international noch Nachholbedarf.

Tabelle 1: Umsatzentwicklung der Großverlage (gesamt, national und international)

MedienkonzerneUmsatzerlöse in Mio. EuroTrend 2014 : 2010Umsatzanteil in %
20142013201220112010in Mio.in %20142010
A) Gesamterlöse
Axel Springer3.0382.8013.3103.1852.8941445,0100100
Hubert Burda Media2.4552.6172.4562.1761.72173442,6100100
Bauer Media Group2.2632.3222.1322.0212.1291346,3100100
Gruner + Jahr1.7472.0652.2182.2872.549- 802- 31,5100100
B) Deutschland
Axel Springer1.7291.6372.1472.1372.082- 353- 17,056,971,9
Hubert Burda Media1.6681.6901.6111.4871.24242634,367,972,2
Gruner + Jahr8869379931.0151.170- 284- 24,350,745,9
Bauer Media Group795825845808873- 78- 8,935,141,0
C) International
Bauer Media Group1.4681.4971.2871.2131.25621216,964,959,0
Axel Springer1.3091.1641.1631.04881249761,243,128,1
Gruner + Jahr8611.1281.2251.2721.379- 518- 37,649,354,1
Hubert Burda Media78792784568947930864,332,127,8
Quelle: Geschäftsberichte 2010-2014

Unterschiedliche Entwicklung der Sparten

Die Springer-Strategen haben ihre Erlössparten 2012 völlig neu definiert (siehe Tabellen 2a + 2b). Bis zu diesem Zeitpunkt stehen den rückläufigen Zeitungen- und Zeitschriften in Deutschland die explodierenden Digitalen Medien gegenüber. Auch nach der neuen Lesart schrumpfen die dominanten „Bezahlangebote“ (nach Springer-Definition: „Geschäftsmodelle, die überwiegend durch zahlende Leser refinanziert werden“). Aber die Entwicklung der „Rubrikenangebote“ („Geschäftsmodelle, deren Erlöse überwiegend durch zahlende Kleinanzeigenkunden generiert werden“) macht noch mehr Freude als jene der Sparte „Vermarktungsangebote“ („Geschäftsmodelle, deren Erlöse überwiegend durch Werbekunden in der reichweiten- oder performancebasierten Vermarktung generiert werden“).

Tabellen 2a + 2b: Axel Springer – Entwicklung der Sparten (Quelle: Springer-Geschäftsberichte 2010-2014)

Axel Springer (a)Umsatzerlöse in Mio. EuroTrend 2014 : 2012Umsatzanteil in %
201420132012in Mio.in %20142012
Bezahlangebote1.5611.5221.583- 22- 1,451,457,8
Vermarktungsangebote79471666313119,826,124,2
Rubrikenangebote51240233018255,216,912,1
Services/Holding171161161106,25,65,9
Gesamterlöse3.0382.8012.73730111,0100,0100,0

Axel Springer (b)Umsatzerlöse in Mio. EuroTrend 2012 : 2010Umsatzanteil in %
201220112010in Mio.in %20122010
Digitale Medien1.17496271246235,524,657,8
Zeitungen national1.1261.1651.194- 68- 5,734,041,3
Zeitschriften national450468486- 36- 7,413,616,8
Print international4414744014010,013,313,8
Services/Holding1191161011817,83,63,5
Gesamterlöse3.3103.1852.89441614,4100,0100,0

Der aktuelle Geschäftsbericht von Hubert Burda Media publiziert von 2010 bis 2014 den perfekten Fünfjahresvergleich (siehe Tabelle 3): Die „Medienmarken“ im In- und Ausland sind weitgehend stabil, während die „Digitalmarken“ den grandiosen Aufstieg besorgen.

Tabelle 3: Hubert Burda Media – Entwicklung der Sparten (Quelle: Burda-Geschäftsbericht 2014)

Hubert Burda MediaUmsatzerlöse in Mio. EuroTrend 2014 : 2010Umsatzanteil in %
20142013201220112010in Mio.in %20142010
Digitalmarken national1.3141.4011.159937587727123,953,534,1
Medienmarken national649630646658669- 20- 3,026,438,9
Medienmarken international330378419385331- 1- 0,313,519,2
Druck1582042241891283023,46,47,4
Sonstige44876- 2- 33,30,20,4
Gesamterlöse2.4552.6172.4562.1761.72173442,6100,0100,0

Bei Bauer macht das zweistellige Anzeigenplus den minimalen Vertriebseinbruch mehr als wett (siehe Tabelle 4). Das immer noch recht bescheidene Digitalgeschäft hat sich fast verdoppelt. Nicht enthalten ist das ebenfalls exorbitante Plus im europäischen Radiomarkt, wo die Bauer-Leute nach ihrer jüngst genehmigten Übernahme der skandinavischen SBS-Gruppe die Marktführerschaft für sich reklamieren.

Tabelle 4: Bauer Media Group – Entwicklung der Sparten (Quelle: Verlagsangaben Bauer)

Bauer Media GroupUmsatzerlöse in Mio. EuroTrend 2014 : 2010Umsatzanteil in %
20142013201220112010in Mio.in %20142010
Vertrieb1.2951.3691.2951.2591.336- 41- 3,157,262,8
Anzeigen4374824073533815614,719,317,9
Radio2422032041931796335,210,78,4
Digital94816648524280,84,22,4
Sonstige195187159168181147,78,68,5
Gesamterlöse2.2632.3222.1322.0212.1291346,3100,0100,0

Der permanente Abstieg von Gruner + Jahr schlägt sich sowohl in der Gütersloher Rubrizierung (2011 bis 2014) wie in den letzten Hamburger Jahrbüchern (2010 bis 2012) nieder (siehe Tabellen 5a + 5b). Minus bleibt Minus, ganz gleich, ob es sich nun um den spröden Sammelbegriff „Produkte und Waren“ handelt oder um ein engagiertes Hochglanzmagazin.

Tabellen 5a + 5b: Gruner + Jahr – Entwicklung der Sparten; Quelle: Bertelsmann-Geschäftsberichte 2011-2014 (Hochrechnungen) sowie Verlagsangaben Gruner + Jahr (Hochrechnungen)

Gruner + Jahr (a)Umsatzerlöse in Mio. EuroTrend 2014 : 2011Umsatzanteil in %
2014201320122011in Mio.in %20142011
Produkte und Waren8661.1171.2221.258- 392- 31,249,655,0
Werbung und Anzeigen631694750787- 156- 19,836,134,4
Dienstleistungen23824423523173,013,610,1
Rechte und Lizenzen1210111119,10,70,5
Gesamterlöse1.7472.0652.2182.287- 540- 23,6100,0100,0

Gruner + Jahr (b)Umsatzerlöse in Mio. EuroTrend 2013 : 2010Umsatzanteil in %
2013201220112010in Mio.in %20132010
Vertrieb706801772867- 161- 18,63434
Anzeigen694750787892- 198- 22,23435
Druck291311296306- 15- 4,91412
Sonstige374356432484- 110- 22,71819
Gesamterlöse2.0652.2182.2872.549- 484- 19,0100,0100,0

Haifisch- oder Auffangbecken?

Auch bei einem Vergleich der Personalstärken unserer vier Helden führen die Spuren in verschiedene Richtungen (siehe Tabelle 6). Während die Konkurrenz kräftig in neue Arbeitsplätze investiert, weist G+J nach fünf Jahren mehr als 5.000 Stellen weniger aus. Vor diesem Hintergrund betonten die beiden Bauer-Geschäftsleiter Jörg Hausendorf (51) und Andreas Schoo (54) vor ein paar Tagen vor Journalisten: „Wir bieten unseren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern einen sicheren Arbeitsplatz“.

Tabelle 6: Veränderung der Beschäftigtenzahl

MedienkonzerneMitarbeiterzahlTrend 2014 : 2010
20142010absolutin %
Axel Springer13.91711.5632.35420,4
Bauer Media Group11.0008.7002.30026,4
Hubert Burda Media10.3747.6372.73735,8
Gruner + Jahr8.16813.314- 5.146- 38,7
Quelle: Geschäftsberichte, Verlagsangaben


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