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Erinnerungen an Gruner + Jahr Verlagsgründer Richard Gruner



Den Grundstein für den Werdegang von Richard Gruner legte bereits sein Großvater, und das schon im Jahre 1879. Damals machte sich der 29-jährige Otto Gruner in Köln mit der gerade erworbenen Filiale einer Papiergroßhandlung selbständig. Er spezialisierte sich auf Feinpapiere und Opalinekartons. Zudem entdeckte er ein weiteres Geschäftsfeld: In der rapide wachsenden Industrie verbrauchten Ingenieure und Erfinder immer mehr Spezialpapier, vor allem Millimeterpapier.

1891 trat als erster der älteste Sohn Otto in die Firma ein. Neunzehn Jahre später machte der jüngste Sohn Richard (Vater des Verlagsgründers) eine Lehre bei einer Hamburger Exportfirma, die ihn später als ihren Repräsentanten in die USA schickte. Die Verbindungen, die er dort knüpfte, führten 1918 zu amerikanischen Aufträgen für die technischen Maßpapiere von Gruner & Sohn.

Richard Gruner übernimmt

Nach dem Tode seines älteren Bruders entschloss sich der neue Inhaber Richard Gruner, das Unternehmen in den Norden Deutschlands zu verlegen. Im Juni 1924 zog Gruner & Sohn in die ehemalige Hafermühle in Itzehoe-Sude um. Als die Zigarettenfabrik Reemtsma ihren Packungen ab 1925 kleine Bildchen beilegte, erhielt Gruner den Druckauftrag, der schon bald erweitert wurde: Die Bilder wurden durch Schecks ersetzt, die Sammler gegen Bilderserien eintauschen konnten. 1936 war die Zahl der Mitarbeiter auf 130 gestiegen. Gruner & Sohn bezieht im Herzen Itzehoes ein neues Fabrikgebäude. Dieses rasche Wachstum verdankt die Firma vor allem den Reemtsma-Aufträgen.

Kurz vor seinem tödlichen Unfall 1946 hatte Richard Gruner sen. noch eine Tiefdruckrotationsmaschine mit vier Druckwerken und einem Falzapparat gepachtet und damit die Voraussetzung für den Druck von Zeitschriften geschaffen. Dies erwies sich für den erst 20-jährigen Richard Gruner jun. als günstig, denn mit der Demokratie kehrte auch die Pressefreiheit zurück, und in immer kürzeren Abständen entstanden neue Presseerzeugnisse. Zu den ersten bekannten Zeitschriftenobjekten, die in Itzehoe hergestellt werden, gehörten das 16-seitige Rundfunk-Programmheft Hör Zu des Hamburger Verlegers Axel Springer und der stern.

Richard Gruner, John Jahr und Dr. Gerd Bucerius

Mit 24 erwarb Richard Gruner 25 Prozent des Spiegel. Um auf dem Markt besser bestehen zu können, schlossen sich 1965 die Verleger John Jahr (unter anderem: Constanze, Schöner Wohnen) und Dr. Gerd Bucerius (stern, Zeit u.a.) mit Richard Gruner schließlich zum Druck- und Verlagshaus Gruner + Jahr zusammen.


v.l. Dr. Gerd Bucerius, Richard Gruner, John Jahr

v.l. Dr. Gerd Bucerius, Richard Gruner, John Jahr


1969, vier Jahre später, verkaufte Richard Gruner seine Anteile allerdings schon wieder – an die Bertelsmann AG in Gütersloh. Er trennte sich von allen seinen Firmenbeteiligungen in Deutschland und erhielt dafür geschätzte 220 Millionen Mark (180 Millionen für Gruner + Jahr und 40 Millionen für den Spiegel).

Die Zukunft mit Bertelsmann

Die Bertelsmänner wurden 1973 durch die Übernahme der Anteile von Bucerius sogar Gruner + Jahr-Mehrheitsaktionär. Ob das allerdings noch lange so bleibt wird bezweifelt. Wegen der immensen Schulden, die den Gütersloher Medienkonzern lähmen, soll der knapp 75-Prozent-Anteil an Gruner + Jahr bereits Interessenten angeboten worden sein. So habe es laut Branchenkreisen vor einigen Monaten dazu beispielsweise Gespräche mit dem finnischen Medienkonzern Sanoma gegeben, die allerdings an der zu hohen Forderung von Bertelsmann gescheitert seien, heißt es.

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