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Bertelsmann: Angespannte Gelassenheit



Bertelsmann steigerte den Gewinn im zurückliegenden Jahr auf 656 Millionen Euro. 2009 lag er bei 35 Millionen Euro. Der Umsatz stieg um 4,5 Prozent auf 15,8 Milliarden Euro. Bezogen auf das Operating EBIT von 1,9 Milliarden Euro (+29 %), ergibt das eine Umsatzrendite von 11,7 Prozent (2009: 9,5 %). Gleichzeitig wurden die Verbindlichkeiten abgebaut: Die Nettofinanzschulden schrumpften um 900 Millionen Euro auf 1,9 Milliarden. Die wirtschaftlichen Schulden verringerten sich auf 4,9 Milliarden Euro (Hintergrund: Vor fünf Jahren hatte ein Rückkauf von RTL-Aktien dem Konzern Verbindlichkeiten von 10,6 Milliarden Euro aufgebürdet). Der Konzernüberschuss nach Minderheiten kletterte 2010 auf 478 Millionen Euro nach einem Verlust von 82 Millionen im Jahr davor. Die Zahl der Mitarbeiter wuchs um 1.700 auf gut 104.400.

„Das 175. Jahr unserer Unternehmensgeschichte war zugleich eines der erfolgreichsten überhaupt: Bertelsmann steht nicht nur besser da als vor der Krise – wir haben noch dazu unsere eigenen Erwartungen übertroffen“, sagte Hartmut Ostrowski, Vorsitzender des Vorstands der Bertelsmann AG, anlässlich der Bilanzpressekonferenz am 29. März 2011. „Getragen wurde diese Entwicklung von der allgemeinen konjunkturellen Erholung, insbesondere in den Werbemärkten“, erläuterte der Konzernchef. Gut ein Viertel seines Umsatzes bestreitet Bertelsmann mit Werbung. Zudem haben umfangreiche Sparmaßnahmen in 2009 für eine spürbare Entlastung auf der Kostenseite gesorgt.


Im Bertelsmann Vorstand (v.l.): Rolf Buch, Markus Dohle, Thomas Rabe, Hartmut Ostrowski, Bernd Buchholz, Gerhard Zeiler

Bertelsmann-Vorstand


Umsatz- und gewinnträchtigste Sparte des in fünf Geschäftsbereiche gegliederten und in mehr als 50 Ländern weltweit aktiven Konzerns ist die RTL-Gruppe mit einem Umsatz von 5,6 Milliarden Euro und einem Operating EBIT von 1,1 Milliarden Euro. Das größte europäische Rundfunkunternehmen (u. a. Beteiligungen an 40 TV-Sendern und 33 Radiostationen in zehn Ländern) ist damit für mehr als die Hälfte des Ergebnisses vor Zinsen, und Steuern verantwortlich. Die Umsatzrendite stieg von 15,6 auf 19,7 Prozent.

An zweiter Stelle steht der Medien- und Kommunikationsdienstleister Arvato. Er umfasst 270 Unternehmen und bedient Verlage, organisiert Bezahlplattformen für Einkäufe im Internet, unterhält Call-Center, rechnet Werbeeinnahmen ab und vieles mehr. Im zurückliegenden Jahr konnten die Einnahmen hier von 4,8 auf erstmals mehr als fünf Milliarden (exakt: 5,1) gesteigert werden. Das EBIT wuchs von 151 auf 266 Millionen Euro, sodass die Rendite mit 6,9 Prozent gegenüber 7,2 Prozent im Vorjahr leicht nachgab.

Drittstärkste Säule ist das Druck- und Verlagshaus Gruner + Jahr, das zu 74,9 Prozent Bertelsmann gehört. Die restlichen 25,1 Prozent hält die Hamburger Verlegerfamilie Jahr. Der Umsatz stieg von 2,5 auf 2,6 Milliarden Euro, das operative Ergebnis von 203 auf 287 Millionen Euro. Damit lag die Umsatzrendite bei 11,2 Prozent (2010: 8,1 Prozent).

Auch die Buchverlagsgruppe Random House konnte im Umsatz zulegen: von 1,7 auf 1,8 Milliarden Euro, und die Rendite von 8,0 auf 9,5 Prozent anheben.

Einzig die Direct Group mit ihren Medienclubs, Buchhandlungen, Internetaktivitäten, Verlagen und Distributionsfirmen in zwölf Ländern hat an Umsatz verloren und rutschte von 1,2 auf 1,1 Milliarden Euro, vor allem weil Bertelsmann sich aus mehreren Märkten zurückzog. Das EBIT fiel von 28 auf 24 Millionen Euro (Rendite wie 2009: 2,2 %). Zum Verkauf steht zurzeit Frankreich. Eine Veräußerung des ebenfalls rückläufigen Geschäftes in Deutschland sei laut Direct Group-Geschäftsführer Fernando Carro aber nicht geplant.



Bertelsmann: Angespannte Gelassenheit

RTL dominiert



Für 2011 erwartet Finanzchef Thomas Rabe ein „moderates Umsatzwachstum im Gleichklang mit der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung“. Das operative Ergebnis soll auf dem Niveau von 2010 stabil gehalten werden, das Konzernergebnis vor dem Hintergrund geringerer Sondereffekte steigen.

Potenzial sieht das Unternehmen unter anderem im Ausbau des Geschäftes in China und Indien. Ostrowski: „Hier sind unsere Umsätze im vergangenen Jahr um jeweils mehr als ein Drittel gestiegen – auf vergleichsweise niedrigem Niveau zwar, aber die Marktpotenziale sind enorm.“ China werde seiner Ansicht nach in drei Jahren der drittgrößte Medienmarkt der Welt sein.

Wachstum erwartet Bertelsmann auch im Bereich der Rechte an Rock- und Popsongs. Über BMG Rights Management, ein Gemeinschaftsunternehmen mit dem Finanzinvestor KKR, hat Bertelsmann hier bereits ein festes Standbein. Im Fokus könnten nun die Kataloge von Warner und EMI stehen, was Rabe aber nicht kommentieren wollte.

Ostrowski sagte lediglich, dass Bertelsmann bereit sei zu investieren – „in das richtige Geschäft, zum richtigen Preis und zum richtigen Zeitpunkt.“ Attraktive Märkte für die Expansion sind laut Ostrowski darüber hinaus vor allem „Professional Information“, „Dienstleistungen im Healthcare-Bereich“ und „Bildung“.

Allein dieses Jahr könnte bis zu einer Milliarde Euro ausgeben werden, rechnete Rabe vor – vorausgesetzt, dass die konjunkturelle Entwicklung stabil bleibe. Risikofaktoren macht er in der Verschuldungskrise im Euro-Raum aus und in den Auswirkungen der Japan-Katastrophe. Auch die unsichere Entwicklung rund um den Oberbegriff „Digitalisierung“, die Schwierigkeiten der Direct Group und die Tatsache, dass in Sachen Einsparungen nun das Limit erreicht ist, sorgten trotz der großen Gelassenheit, die der Vorstand am Dienstag verströmte, gleichzeitig für eine gewisse Anspannung beim Blick in die Zukunft.

Schlüssel des Konzern-Erfolgs sei nach den Worten Ostrowskis jedenfalls „die besondere Kombination aus Kreativität und Unternehmergeist“, die Bertelsmann auszeichne. „Deshalb werden wir in diesem Jahr auch daran arbeiten, diese Positionierung noch schärfer im Unternehmen zu verankern – zunächst intern. Aber zu gegebener Zeit werden wir dies auch extern in unserem Markenauftritt zum Ausdruck bringen.“


Bertelsmann: Angespannte Gelassenheit

Die Unternehmensbereiche auf einen Blick


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