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Bertelsmann baut um



Thomas Rabe, Vorstandsvorsitzender der Bertelsmann AG, will den Medienkonzern in den kommenden fünf bis zehn Jahren schrittweise umbauen. Das kündigte er auf der Bilanzpressekonferenz am Mittwoch, 28. März 2012, in Berlin an. „Wir wollen Bertelsmann wachstumsstärker, digitaler und internationaler ausrichten“, sagte er. „Hierzu verfolgen wir vier strategische Stoßrichtungen: die Konsolidierung und Stärkung unserer Geschäfte, die digitale Transformation, den Auf- und Ausbau von Wachstumsplattformen sowie die Expansion in neue Wachstumsregionen.“


Shrink to grow

Bilanzpressekonferenz 2012 in Berlin

Bertelsmann-Chef Thomas Rabe

Im zurückliegenden Geschäftsjahr hat Bertelsmann den Umsatz um 1,2 Prozent auf 15,25 Milliarden Euro verbessert. Allerdings wies der Konzern 2010 noch 15,79 Milliarden Euro aus. Warum dennoch ein Plus gemeldet wird, lässt sich laut Rabe mit den Worten „shrink to grow“ (schrumpfen, um zu wachsen) erklären. „Wir haben in den vergangenen Jahren unser Portfolio bereinigt, denken Sie etwa an den Ausstieg aus dem Recorded-Music-Geschäft oder den schrittweisen Rückbau der Direct Group. Seit 2006 haben wir uns von Geschäften mit einem Umsatzvolumen von mehr als fünf Milliarden Euro getrennt“, so Rabe. „Wir haben diesen Schrumpfungsprozess bewusst in Kauf genommen, um unser Portfolio zu stärken und um die Grundlage für künftiges Wachstum zu schaffen.“ „Um die Aussagekraft der Bilanz zu erhöhen“, wurden also diese „nicht fortgeführten Aktivitäten“ im Nachhinein aus der Bilanz 2010 herausgerechnet, so dass von den 15,79 nur noch 15,07 Milliarden Euro übrig blieben.


Rückläufiges EBIT und Konzernergebnis

Das Operating EBIT (operatives Ergebnis vor Zinsen und Steuern) lag 2011 mit annähernd 1,75 Milliarden Euro knapp unter dem Vorjahreswert (1,83 Milliarden Euro). Bezogen auf das Operating EBIT errechnet sich demnach eine Umsatzrendite von 11,4 Prozent nach 12,1 Prozent im Vorjahr. Das EBIT ging wegen Sondereinflüssen, um die das Operating EBIT bereinigt wurde, um 11,4 Prozent auf 1,44 Milliarden Euro zurück. Die Sondereinflüsse seien laut Rabe auch ausschlaggebend dafür, dass sich das Konzernergebnis „rückläufig und damit nicht zufriedenstellend entwickelte“: von 656 Millionen auf 612 Millionen Euro.


Sondereffekte aus den Bereichen Druck, Replikation und Endkundengeschäfte

Was waren die Sondereinflüsse? Laut Geschäftsbericht handelt es sich um einen Betrag von minus 303 Millionen Euro – nach 196 Millionen Euro im Vorjahr. Er setzt sich zusammen aus Wertminderungen in einer Gesamthöhe von minus 135 Millionen Euro, Veräußerungsgewinnen und -verlusten von in Summe 102 Millionen Euro, Restrukturierungsaufwendungen sowie weiteren Sondereinflüssen in Höhe von insgesamt minus 270 Millionen Euro. Wertminderungen wurden im Wesentlichen vorgenommen bei dem griechischen Rundfunk- und Fernsehanbieter Alpha Media Group, im Bereich der Serviceaktivitäten von Arvato in Spanien sowie in den deutschen Direktmarketinggeschäften. Veräußerungsgewinne von plus 112 Millionen Euro entfielen im Wesentlichen auf RTL Nederland infolge des Verkaufs von Hörfunksendern an Talpa Media. Dem standen Veräußerungsverluste in Höhe von insgesamt minus zehn Millionen Euro gegenüber. Die Restrukturierungsaufwendungen und weitere Sondereinflüsse verteilten sich unter anderem auf die Druck- und Replikationsgeschäfte von Arvato, insbesondere Prinovis, auf das Druckgeschäft von Gruner + Jahr in den USA sowie auf die Neuordnung der Club- und Direktmarketinggeschäfte im Bereich Corporate. Darüber hinaus entstanden für ein Gebäudeprojekt zur Nutzungsoptimierung bei Random House aufgrund eines belastenden Mietvertrages einmalige Sonderbelastungen in Höhe von minus 32 Millionen Euro.


Zufluss von Fremdkapital erleichtern

Bertelsmann verfügt seit Juni 2002 über Emittenten-Ratings der Ratingagenturen Moody’s und Standard & Poor’s (S&P). Nach einer Hochstufung durch beide Agenturen um jeweils einen Notch im Mai bzw. Juni 2011 wird Bertelsmann von Moody’s mit „Baa1“ (Ausblick: stabil) und von S&P mit „BBB+“ (Ausblick: stabil), bewertet. Dies entspreche laut Rabe Bertelsmanns Zielratings. Die Emittenten-Ratings erleichtern den Zugang zu den internationalen Kapitalmärkten und sind ein wesentliches Element der Finanzierungssicherheit von Bertelsmann.

Um den Zufluss von Fremdkapital für Bertelsmann in noch größerem Ausmaß zu ermöglichen, ohne dass dadurch die jetzigen Entscheidungsgremien Stimmen-Anteile abgeben müssten, kündigte Rabe zudem eine Änderung der Rechtsform des Konzerns an. „Wir planen einen Wechsel von der Aktiengesellschaft in eine Kommanditgesellschaft auf Aktien – konkret in eine SE & Co. KGaA“, gab er bekannt. „Ziel ist es, die Kontinuität von Bertelsmann als unabhängiges Familienunternehmen bei voller strategischer Flexibilität langfristig zu sichern.“ Die KGaA sei eine weit verbreitete, bewährte Rechtsform für eine familiengeprägte Eigentümerstruktur. Prominente Beispiele: die DAX-30-Konzerne Henkel, Fresenius, Fresenius Medical Care und Merck.


Schuldenstand

Die Nettofinanzschulden betrugen Ende 2011 1,8 Milliarden Euro. Die wirtschaftlichen Schulden lagen mit 4,9 Milliarden Euro leicht unter dem Vorjahreswert.


Ausblick auf das laufende Geschäftsjahr

„Das wirtschaftliche Umfeld ist derzeit von Unsicherheiten gekennzeichnet – nicht zuletzt aufgrund der Staatsschuldenkrise in vielen westlichen Ländern“, so Rabe mit Blick auf das laufende Geschäftsjahr. „Insgesamt ist für 2012 mit einer verhaltenen konjunkturellen Entwicklung zu rechnen, wobei es gerade in Europa regionale Unterschiede geben wird.“ Vorausgesetzt, dass sich das Wirtschaftswachstum in den für Bertelsmann relevanten Märkten stabil bis leicht positiv entwickele, rechne Rabe derzeit „mit einem moderaten Umsatzanstieg, mit einem Operating EBIT auf weiterhin hohem Niveau, mit einer Umsatzrendite von mehr als elf Prozent und – aufgrund geringerer Sondereffekte – mit einem höheren Konzernergebnis als 2011.“

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