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Bild bei Schlecker – „Nicht mit uns!“ sagt der Wettbewerb



Nach Informationen von Media Tribune will die Axel Springer AG das Verkaufsstellennetz für ihr Flaggschiff Bild jetzt um 8.000 bis 8.500 Schlecker-Filialen ausbauen. Doch der Zeitungsriese stößt damit auf massiven Widerstand der Wettbewerbs-Verlage, die den Pressevertrieb im Einzelhandel mit finanzieren.

Die Akquisition von Einzelhändlern für die Bild Zeitung ist eines der Hauptziele von Torsten Brandt, Verlagsgeschäftsführer Vertrieb Bild-Gruppe und Zeitschriften. So war das auch schon bei seinen Vorgängern. Diesem Expansionsdrang des Boulevardblattes ist es zu verdanken, dass die Zahl der Presseverkaufsstellen in Deutschland mittlerweile bei mehr als 120.000 liegt. Allerdings gibt es außer Bild keinen anderen Titel, der diese große Händlerfülle tatsächlich voll nutzen kann.

Dem Vernehmen nach käme beispielsweise die Bauer Media Group für ihr komplettes Sortiment bequem mit 80.000 Outlets aus, zudem mit zwei statt der von Bild benötigten sechs Erscheinungstagen pro Woche. Dem Jahreszeiten Verlag würden angeblich 40.000 Einzelhändler locker genügen. Wegen dieses Ungleichgewichtes wird auch immer mal wieder hinterfragt, ob angesichts der wirtschaftlich angespannten Lage, in der sich die Medien heute sehen, das von Bild getriebene aggressive Erschließen neuer Geschäfte noch zu begrüßen sei oder ob es das gemeinsam finanzierte Pressevertriebssystem eher über Gebühr belaste.

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Kommt als einziger Titel auf 120.000 Verkaufsstellen: Bild

Ohne Zweifel haben auch Wettbewerbs-Verlage davon profitiert, dass Bild vor Jahren Türöffner war – etwa bei Tankstellen, Bäckereien und Discountern. Doch die Stimmen werden lauter, die sagen, dass es damit nun erst einmal genug sein solle – vor allem, wenn die Sortimente bei den neu gewonnenen Händlern sehr klein blieben und es teilweise neben Bild nur noch eine weitere Tageszeitung in die Auslage schaffe.

Für Diskussion sorgt jetzt der jüngste Vorstoß von Bild-Vertriebschef Brandt: Er will 8.000 bis 8.500 Drogeriemärkte von Schlecker über das Grosso mit Bild beliefern lassen. Die Mehrzahl der Mitglieder des Verbandes Deutscher Zeitschriftenverleger (VDZ) ist nach Informationen von Media Tribune aber strikt dagegen. Auch etliche Grossisten stehen dem Ansinnen Springers offenbar äußerst kritisch gegenüber.

Wie Media Tribune erfuhr, werde der wirtschaftliche Nutzen angezweifelt. Schon heute würden ca. 80 bis 100 Schlecker-Filialen mit Presseprodukten beliefert. Das Sortiment umfasse etwa 60, 70 Titel. Doch während der Wochenumsatz bei Discountern mit ähnlichem Sortiment bei etwa 500 Euro liege, komme man bei Schlecker lediglich auf ein Zehntel dessen, also auf 50 bis 80 Euro. Das seien gerade einmal etwa zehn Euro pro Tag. Den Pressegroßhändlern blieben davon 2,50 Euro Rohertrag. Dafür lohne sich die Anfahrt nicht, heißt es.

Discounter-Display für Bild & Co.

Discounter-Display für Bild & Co.

Ein anderer Kritikpunkt: Mit der Erschließung von Märkten mit solch kleinen Titel-Sortimenten würden umliegende Presseverkaufsstellen, die eine größere Auswahl anböten, doppelt geschädigt: Wenn sich der Kunde seine Bild oder eine andere Tageszeitung nur noch beim hoch frequentierten Discounter oder Drogeriemarkt hole, dann blieben bei den anderen Presseanbietern auch die Spontan- und Koppelkäufe aus: Wer am gut bestückten Kiosk die Zeitung besorgt, greift häufig noch zu einer Zeitschrift, etwa einem Magazin über eine Urlaubsregion (Merian, Geo Saison) oder über ein interessantes Wirtschaftsthema (Manager Magazin, Wirtschaftswoche), weil dieser Titel ihm gerade ins Auge fällt. Nicht zuletzt deshalb äußern Vertriebsmanager von Verlagen wie Gruner + Jahr, Spiegel Verlag, Zeitverlag, Delius Klasing oder Jahreszeiten Verlag immer mal wieder Kritik an der Ausweitung des Verkaufsstellennetzes bei gleichzeitig geringer werdender Titel-Anzahl. Denn ihre Special Interest-Magazine und Zeitschriften mit geringer Frequenz (zweiwöchentlich oder monatlich) sucht man beim Discounter meist vergeblich.

In dem Zusammenhang ist aus VDZ-Kreisen zu hören, dass von den Verlagen generell die Entwicklung der Sortiments-Breite mit Sorge betrachtet werde: Die von der Einzelhandelsstrukturanalyse (EHASTRA) als „Zeitungskunden“ klassifizierten Einzelhändler (führen als Presseprodukte ausschließlich Zeitungen) nehmen deutlich zu, während die Zahl der sogenannten ZZ-Kunden (d.h. Kunden mit Zeitungen und Zeitschriften im Sortiment) sinkt: Im vergangenen Jahr gab es mit 102.137 ZZ-Kunden 1.540 weniger als 2009. Die reinen Zeitungskunden vermehrten sich hingegen mit insgesamt 19.375 Händlern um 921. Ihr Anteil an allen Verkaufsstellen beträgt damit mittlerweile 15,8 Prozent.

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