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Die Konkurrenz läuft Gruner + Jahr davon



„Print lebt“, so kommentierte die „Frankfurter Allgemeine“ die jüngsten Schlagzeilen um Bertelsmann. Gemeint ist der New Yorker Buchverlag Random House, dessen Softporno „Shades of Grey“ im Frühjahr die Säfte steigen ließ, und keineswegs die Zeitschriftenfiliale Gruner + Jahr in Hamburg: „Dort ist zwar der Rückgang der Anzeigenbuchungen der Hauptgrund für die Misere, aber auch mit Blick auf verlegerische Innovationen im digitalen Geschäft sieht es mau aus.“

Zumindest mit dieser Misere kann G+J Anspruch auf Alleinstellung anmelden. Die ehemalige Cash Cow des Konzerns hinkt in allen entscheidenden Disziplinen deutlich hinter ihren Konkurrenten her. Die Häuser Axel Springer, Hubert Burda und Heinrich Bauer steigerten ihre Erlöse seit 2008 um dreistellige Euromillionen und zweistellige Prozentwerte, während G+J in gleicher Größenordnung verlor (siehe Media Tribune vom 28. August). Nun brach bei G+J im ersten Halbjahr auch noch das Ergebnis um 31,5 Prozent ein, von 124 Millionen Euro in der Vorjahreshälfte auf nur noch 85 Millionen.

Seit Jahren muss sich der frühere Marktführer im heimischen Anzeigengeschäft der Publikumszeitschriften mit dem unbequemen zweiten Platz begnügen. Burda, der neue Tabellenführer, demonstriert derweil eindrucksvoll, wie starke Magazinmarken auch in der digitalen Wirklichkeit erfolgreich sein können.

Der massive Umsatzrückgang seiner Zeitschriftenriege ist Dr. Thomas Rabe (47), dem dynamischen Vorturner im Gütersloher Vorstand, durchaus bewusst. Anlässlich der Verkündung seiner ersten Halbjahreszahlen meinte er jedoch, dass wenigstens die Marktanteile von Gruner + Jahr stabil blieben. Das mag für die Auflagen noch zutreffen, nicht aber für die Anzeigen.

Die Statistik von Nielsen Media Research (NMR) offenbart, dass Gruner + Jahr nicht nur im Bruttowerbeumsatz der Publikumszeitschriften, sondern auch prozentual in jeder Hinsicht deutlich hinter den Vorjahreswerten zurückliegt. In den ersten sieben Monaten des Jahres 2012 sank der Marktanteil von G+J auf 14,3 Prozent (im Vorjahreszeitraum noch bei 14,7). Marktführer Burda verbesserte sich gleichzeitig auf 16,1 Prozent (Vorjahr 15,4). Ohne die Medienwerbung (Eigen- und Tauschanzeigen etc.), wird der Vorsprung von Burda mit 16,1 zu 13,0 Prozent (Vorjahr 15,2 zu 13,7) sogar noch größer.

Den Zahlen der offiziellen Auflagenkontrolle der IVW ist zu entnehmen, dass Gruner + Jahr in den ersten beiden Quartalen des Jahres 7,0 Prozent der verkauften Exemplare aller deutschen Publikumszeitschriften an die Frau oder den Mann bringen konnte. Im ersten Halbjahr 2011 waren es 6,9 Prozent. Damit ist der Markanteil über alle Vertriebssparten (vom Studentenabo bis zum Bordexemplar) um 0,1 Prozent gewachsen. Zum Vergleich: Der Anteil der Burda-Zeitschriften ging von 16,1 auf 15,9 Prozent zurück. Aber an der wichtigsten Handelssparte, der sogenannten harten Währung im Presseinzelhandel (EH-Auflage), partizipierte Gruner + Jahr im Frühjahr nur noch mit 3,9 Prozent (Vorjahr 4,0), während sich Burda in dieser Disziplin auf 17,0 Prozent (16,9) verbesserte.

Auf vielen Geschäftsfeldern muss Gruner + Jahr der Konkurrenz hinterher blicken. Im Konzernumsatz hat Springer (3,2 Milliarden Euro), mit den früheren G+J-Managern Dr. Mathias Döpfner (49) und Dr. Andreas Wiele (50) an der Spitze, die Bertelsmann-Tochter (2,3 Milliarden) längst abgehängt. Und Bauer kauft quasi aus der Portokasse für 407 Millionen Euro den ozeanischen Magazine Maker Australian Consolidated Press (ACP) und könnte damit den Hamburger Nachbarn nicht nur in Europa, sondern auch weltweit hinter sich lassen.

In der Branche wird nun darüber spekuliert, wer die Nachfolge von Dr. Bernd Buchholz (50), seit Januar 2009 Vorstandsvorsitzender von Gruner + Jahr, antreten könnte. Als Vorstandsmitglied der Mutter Bertelsmann trat Buchholz bereits vor einer Woche zurück (siehe Media Tribune vom 29. August). Die oder der Neue kann wohl nur aus den eigenen Reihen kommen. Ein „Fremder“ dürfte sich kaum auf eine derart riskante Dienstreise einlassen, zumal die Gesellschafter, Bertelsmann und Jahr, sich noch immer nicht „über die Lage und weitere Ausrichtung“ ihres Hauses einig sind.

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