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Quantitätsjournalismus: Stern druckt 5 Millionen Kilogramm Papier für die Tonne



Sie sind ein oftmals unterschätzter, dennoch bedeutender Kostenfaktor im Vertriebssystem: die Remittenden. Etwa 1,5 Milliarden Zeitschriften und Zeitungen (Remi-Quote ca. 40 %) im Wert von insgesamt rund einer Milliarde Euro (Remi-Quote ca. 30 %) werden jährlich umsonst gedruckt und durch die Republik geschickt. Denn sie finden keinen Abnehmer und landen schließlich im Altpapier-Recycling. Außer für etwa zehn Prozent dieser Menge (Stichwort: „Überremmission“) ist das sogar gewollt. Es geht um Marktausschöpfung. Der Markt für ist nicht statisch, selbst eine Stammkundschaft ist kein Faktor für eine sichere Absatzprognose. Auch wenn es diverse Strukturanalysen und Verfahren zur Bezugsregulierung gibt, können weder Vertriebsmanager noch Grossisten den Absatz der Periodika an verschiedenen Verkaufsstellen 100%ig einschätzen.

„Büdnis für Marktpflege“

Viele Verlage entscheiden sich deshalb für eine relativ hohe Remissionquote, weil sie verhindern hilft, dass es zu vorzeitigen Ausverkäufen kommt, obwohl die Nachfrage noch groß ist. Um aber die Grossisten und den Handel nicht übermäßig zu belasten, wurde 2006 von den Großhändlern und Verlagen das „Bündnis für Marktpflege“ ins Leben gerufen und im Vertragswerk „Koordiniertes Vertriebsmarketing“ (KVM) eine generelle Limitierung der Remissionsrichtwerte festgesetzt. Eine Tabelle gibt an, welche Quote bei welchem Verkaufsdurchschnitt in der jeweiligen Verkaufsstelle als angemessen anzusehen ist. Wesentlicher Eckwert ist dabei, dass ein Verkaufsdurchschnitt von 1 nicht unterschritten werden soll, d.h. die Anzahl der belieferten Einzelhändler soll die Zahl der verkauften Exemplare nicht übersteigen.


Quantitätsjournalismus - Stern druckt 5 Millionen Kilogramm Papier für die Tonne

Quantitätsjournalismus: Hier nur ein Bruchteil dessen, was in die Tonne wandert


Von Titel zu Titel kann es dennoch erhebliche Schwankungen geben – mit deutlichen  betriebswirtschaftlichen Auswirkungen. Welche unfassbaren Dimensionen in Papiermenge und -gewicht in kurzer Zeit erreicht werden können, macht ein Blick auf die fünf großen Zeitschriften unter den aktuellen Magazinen deutlich (siehe Tabelle). Focus hat mit 56,3 Prozent die höchste Remissionsquote – vor Stern mit 40,6, Gala mit 39,6, Bunte mit 36,5 und Spiegel mit 35,5 Prozent (IVW I/10). Bezogen auf die Menge der Remittenden liegt allerdings der im Vergleich zu Focus verkaufsstärkere Stern mit 201.498 Exemplaren pro Ausgabe an erster Stelle.

6.500 LKW auf dem Weg nach Köln

Berücksicht man zudem den Umfang der Hefte sowie Größe und Gewicht der einzelnen Seite, bedruckt der Stern pro Jahr etwa 5.000 Tonnen Papier, das nicht verkauft wird, sondern direkt dem Recycling zugeführt wird. Immerhin lassen sich dadurch beim Altpapierhändler etwa 500.000 Euro erlösen (bei 100 Euro pro Tonne), die allerdings den Grossisten zufallen. Für alle fünf Titel zusammen ergibt sich ein Gewicht nutzlosen Papiers von 20.000 Tonnen per anno. Würde man diese Menge auf normale Lkw (7,5 t; Nutzlast ca. 3 t) verladen, wären rund 6.500 Fahrzeuge nötig, die aneinandergereiht eine Kette von fast 50 Kilometern bilden würden. Mit allen remittierten Seiten der fünf Magazine könnte einmal im Jahr ganz Köln (Fläche: 405,16 km2) bedeckt werden. Wie hoch letztlich die Kosten für die Remittenden sind, ist schwer zu sagen, es dürfte wohl locker ein zweistelliger Millionen-Euro-Betrag sein. Wenn der Tablet-Hype davon tatsächlich einen signifikanten Anteil abfedern könnte, dann hätte die Verlagsbranche sicher einige Probleme weniger.

Gemessen am Copypreis wandern allein durch die Titel Bunte, Focus, Gala, Spiegel und Stern jedes Jahr Werte von etwa 140 Millionen Euro ungenutzt ins Altpapier.

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