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Sparwelle verschafft G+J Oberwasser



Das Hamburger Medienunternehmen Gruner + Jahr erntete 2010 die Früchte der massiven Umbauten, Sparprogramme und Stellenstreichungen des Vorjahres. Das lassen die auf der Bilanzpressekonferenz am Donnerstag (31. März) vorgelegten Zahlen erkennen. Weltweit sank die Mitarbeiterzahl im vergangenen Geschäftsjahr auf 13.337 (2009: 13.571). Vor zwei Jahren beschäftigte Gruner noch 1.604 Mitarbeiter mehr – ein Exodus von knapp elf Prozent seit 2008. Betroffen waren in Deutschland (heute insgesamt 7.300 Mitarbeiter) beispielsweise die Wirtschaftstitel und das Segment „Exclusive & Living” („Schöner Wohnen”, „Essen & Trinken”) sowie der Vermarkter G+J Media Sales, im Ausland unter anderem große Teile des spanisches Marktes. Restrukturierungskosten, Abfindungen und Wertberichtigungen hatten zur Folge, dass der Verlag 2009 mit minus 18 Millionen Euro den ersten Verlust seiner Geschichte vermelden musste. Jetzt zeigen die harten Schnitte aber positive Wirkung: Im Geschäftsjahr 2010 gab es einen Rekordgewinn. Der Jahresüberschuss stieg auf 166 Millionen Euro. Das Operating EBIT wuchs um 41 Prozent auf 287 Millionen Euro (2009: 203 Millionen), die darauf basierende Umsatzrendite auf 11,2 Prozent (2009: 8,1 Prozent).



Sparwelle verschafft G+J Oberwasse

Gruner + Jahr-Chef Dr. Bernd Buchholz


Nun heißt es Fahrt aufnehmen. Der Motor läuft noch nicht ganz rund, wie das vergleichsweise magere Umsatzplus von 1,6 Prozent auf 2,55 Milliarden Euro (2009: 2,51) zeigt. Vor allem die Vertriebserlöse sind alarmierend. Sie sanken auch 2010 - diesmal um fünf Prozent auf 705 Millionen Euro (ohne „Sächsische Zeitung”). Marktkenner werten das als Zeichen dafür, dass etwas mit dem Portfolio nicht stimmt. Andererseits: Bei fast allen Zeitschriftenverlagen erodiert die verkaufte Auflage seit Jahren.

Sparwelle verschafft G+J Oberwasser

Auslands-Vorstand Dr. Torsten-Jörn Klein

Ob Gruner mit dem Fokus auf hochpreisige Nischentitel („Beef“, „Nido“), die jüngst auf dem Markt kamen, die Trendwende im Vertriebsgeschäft schafft, bleibt abzuwarten. Immerhin kündigte Vorstandschef Dr. Bernd Buchholz zudem den Start eines Frauenmagazins in Deutschland an. Im Ausland will Vorstand Dr. Torsten-Jörn Klein mit einer Verlagsakquisition in den indischen Markt einsteigen. Und in Brasilien (über die Verlagstochter Motor Presse Stuttgart) sei ein weiteres Automagazin geplant.

Einen deutlichen Umsatzschub soll darüber hinaus der bereits 2009 angekündigte Einstieg ins Geschäft mit digitaler Fachinformation („Professional Publishing”) bringen. Von zusätzlichen 500 Millionen Euro Umsatz und 50 Millionen Gewinn pro Jahr ist die Rede – vom Vorstand wird dies allerdings nicht bestätigt. Offiziell nur soviel: Man habe bereits rund 500 internationale B-to-B-Firmen gescannt und sich auf 50 als mögliche Übernahmeziele konzentriert. Kommt es tatsächlich zu einem Kauf in der mutmaßlichen Gewichtsklasse, wäre die finanzielle Spielmasse von G+J allerdings mit einem Mal aufgebraucht. Rund 300 Millionen Euro befänden sich laut Buchholz heute im Finanzmittelfonds, der für Investitionen zur Verfügung stehe. 2010 hat der Verlag 58 Millionen Euro investiert (2009: 38 Millionen).


Sparwelle verschafft G+J Oberwasser

Verteilung der Umsätze nach Geschäftsfeldern und Regionen


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