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Springer-Chef Döpfner will mit der „Welt“ angreifen



Dr. Mathias Döpfner, seit Januar 2002 Vorstandsvorsitzender der Axel Springer AG, will „Die Welt“ zu Deutschlands „profitabelster, intellektuell führender Marke für Qualitätsjournalismus“ machen. Das schreibt er in der Samstagsausgabe der „Welt“ anlässlich des 65. Geburtstages der Zeitung am 2. April 2011. „Die digitale Zukunft des Journalismus hat gerade erst begonnen“, erklärt Döpfner. Und hier soll die „Welt“ Vorreiter sein. Schließlich sei sie seit ihrer Gründung „Innovationsführer“ in der deutschen Tageszeitungslandschaft: „die erste überregionale Qualitätszeitung mit einem Foto auf Seite 1, die erste im Offsettdruck, die erste in Farbe, die erste regelmäßig mit Wissenschafts- und Wirtschaftsthemen in der Hauptschlagzeile, die erste mit Info-Grafiken, die erste, die online ging, eine App herausgibt, die erste europäische Zeitung auf dem iPad“, zählt der Springer-Chef auf.

Allerdings hat das alles bislang nicht geholfen, die Tageszeitung aus den roten Zahlen zu führen. „Sie war ein paar Mal klinisch fast schon tot“, berichtet Döpfner aus dem Nähkästchen. „Der Verkauf und die Einstellung waren zu Lebzeiten des Verlegers so gut wie beschlossen – und wurden in letzter Minute rückgängig gemacht.“ Hunderte Millionen Euro habe das Haus Springer über die Jahre hinweg in das Blatt investiert – laut Döpfner ein Beweis dafür, dass es der Verlag mit seinem Bekenntnis zum Qualitätsjournalismus ernst meine und auch eine wirtschaftlich prekäre Zeitung nicht einfach fallen lasse. Döpfner war selbst zwei Jahre Chefredakteur des Blattes (1998 bis 2000) – „es waren die schönsten in meinem ganzen beruflichen Leben“, schwelgt er.



Springer-Chef Döpfner will mit der "Welt" angreifen

Verkündeten 2008 erstmals schwarze Zahlen: Mathias Döpfner mit Magister Josef Propst (links), Thomas Schmid, Jan-Eric Peters, Peter Würtenberger, Christoph Keese, Carsten Erdmann, Ulrich Lingnau



Zehn Jahre später, 2008, verkündete er stolz, dass die „Welt“-Gruppe „zum ersten Mal in ihrer langen und wechselhaften Geschichte wirklich richtig Geld verdient hat“. „Und als ich daraufhin die strahlenden Gesichter derjenigen sehen konnte, die es geschafft hatten – das war schon sehr schön“, erinnert sich Döpfner. „Nicht wegen des Geldes, it’s only money. Es ging um mehr.“

Dass die Zeitung aber nach wie vor tief in den roten Zahlen steckte, erwähnt er nicht. Denn: Darum geht es heute nicht mehr. Es geht eben um die Marke, um das Gesamt-Konstrukt. So wird seit dem Jahreswechsel 2001/2002 auch die „Berliner Morgenpost“ zur „Welt“-Gruppe gezählt, weil die Redaktionen und Verlage der Tageszeitungen „Berliner Morgenpost“ und „Die Welt“ zusammengelegt wurden. Zusätzlich zu den beiden Titeln umfasst die „Welt“-Gruppe auch „Welt am Sonntag“, „Welt Online“, „Welt kompakt“ und „Welt kompakt am Sonntag“, genauso das Geschäft mit Apps, iPad-Versionen und mit den „Welt-Klasse“-Produkten. Böse Zungen sprechen deshalb von einem „Taschenspieler-Trick“.

Döpfner juckt das nicht. „Wir sind angriffslustig“, schreibt er. „Wir haben uns warmgelaufen. ‚Die Welt‘ hat ihre beste Zeit noch vor sich.“ – Die Spannung steigt.

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