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Springer knackt die drei Milliarden



Axel Springer steigerte den Umsatz 2011 um 10,1 Prozent auf 3,2 Milliarden Euro. Damit schiebt sich der Konzern vor die ProSiebenSat.1 Media AG (2010: 3,0 Milliarden Euro) auf Platz 2 der größten deutschen Medienunternehmen – zumindest solange, bis der TV-Sender seine Zahlen aus dem zurückliegenden Geschäftsjahr meldet. Nummer 1 ist Bertelsmann mit 15,8 Milliarden Euro in 2010 (am 28. März werden auch hier die Zahlen für 2011 bekannt gegeben).

Springer knackt die drei MilliardenDr. Mathias Döpfner, Vorstandsvorsitzender der Axel Springer AG, hält es für realistisch, dass in sechs, sieben Jahren der Anteil des digitalen Geschäftes auf 50 Prozent anwächst.

Auf der Bilanzpressekonferenz am Mittwoch, 7. März, wehrte er sich gegen die immer mal wieder geäußerte Kritik, er habe sich das Wachstum im Digitalen lediglich erkauft, indem er Unternehmensteile veräußerte und 100-Prozent-Springer-Unternehmen in Beteiligungen eingetauscht habe, die er allerdings voll konsolidieren könne. „Diese Unterstellung ist einfach falsch, dass wir viele Mehrheiten verkauft haben, um viele Minderheiten zu kaufen“, so Döpfner. Das Gegenteil sei richtig. So seien die beiden großen Veräußerungen der letzten Jahre – der ProSiebenSat.1Media-Anteil und die Regionalzeitungen – beides Minderheitsbeteiligungen gewesen. „Und das war auch genau der Grund, warum wir sie verkauft haben“, erklärte er. „Wir haben sie verkauft, weil wir über Jahre und Jahrzehnte es nicht geschafft haben, in die Mehrheit zu kommen – weder bei ProSiebenSat.1 noch bei den Regionalzeitungen.“ Und bei den digitalen Aktivitäten sei es in der Tat so, dass Springer manchmal mit einer Minderheit anfange, aber in der Regel immer im zweiten oder dritten Schritt dann die Mehrheit übernommen habe – ob beim Immobilien-Portal SeLoger, der Online-Jobbörse StepStone oder bei der Preis- und Produktsuchmaschine Idealo. Springer habe im Digitalgeschäft immer das Interesse, unternehmerisch zu führen, d.h. die Mehrheit zu kontrollieren. „Und entweder übernehmen wir sie gleich, wie bei kaufDA (lokale Prospektplattform; Anm. d. Red.) oder, wenn uns das nicht gelingt, in Schritten“, so Döpfner.

Lothar Lanz, Vorstand Personal, Finanzen und Dienstleistungen

Finanzvorstand Lothar Lanz

Springer-Vorstandschef Dr. Mathias Döpfner

Er betonte zudem, dass Springer in den zurückliegenden Jahren deutlich mehr Geld für Zukäufe aufgewendet habe, als für Verkäufe erlöst worden seien. Auch habe laut Finanzvorstand Lothar Lanz außer dem Wirtschaftsportal wallstreet online, das im vergangenen Jahr wieder verkauft wurde, bislang kein einziges digitales Unternehmen abgeschrieben werden müssen. Sogar der Erwerb von SeLoger, der Springer stolze 642 Millionen Euro kostete, habe sich bereits ausbezahlt: Das Portal habe mittlerweile einen Wert von 1,3 Milliarden Euro. Und dieser Wert spült jetzt durch das Joint Venture mit dem US-Private Equity-Unternehmen General Atlantic 237 Millionen Euro in die Springer-Kasse. Hintergrund: Springer gab am Dienstag, 6.3., die Gründung des Tochterunternehmens Axel Springer Digital Classifields GmbH (ASDC) bekannt. Dieses bündelt die Online-Rubrikenmärkte von Springer, vertreten durch SeLoger, StepStone und Immonet. Springer hält 70 Prozent an ASDC, General Atlantic übernimmt für 237 Millionen Euro die restlichen 30 Prozent.

Online mit höheren Margen als das Printgeschäft

„Jetzt schon erwirtschaften wir 16 Prozent Marge mit dem Online-Geschäft“, ergänzte Döpfner. „Perspektivisch kann das Digital-Geschäft sogar profitabler sein als das traditionelle Printgeschäft.“ Es gebe also keinen Grund, davon auszugehen, dass das digitale Umsatzwachstum langfristig zu einer unterproportionalen Profitabilität führe. So erwirtschafte Springer in einigen Online-Geschäften sogar Margen von etwa 50 Prozent.

Dr. Andreas Wiele

Dr. Andreas Wiele, Vorstand "Bild"-Gruppe und Zeitschriften

Doch was versteht Döpfner genau unter Online-Geschäft? Es kursieren Gerüchte, dass auch Radiounternehmen und TV-Beteiligungen im Ausland dazu gerechnet werden. Dem widersprach Springer-Vorstand Dr. Andreas Wiele. „Auslandsaktivitäten oder Radiobeteiligungen sind nicht im Umsatz der digitalen Medien enthalten, weil der Umsatz dort nicht konsolidiert wird.“ Einzige Ausnahme sei die Hamburger Schwartzkopff TV-Productions GmbH & Co. KG. Sie werde dem Digitalen zugerechnet, mache aber mit etwa zehn Millionen Euro Umsatz nur einen verschwindend geringen Anteil der insgesamt 962,1 Millionen Euro Erlöse aus den digitalen Medien aus.

Die digitalen Aktivitäten basierten damit nahezu ausschließlich auf den drei Säulen Content-Portale, Online-Marktplätze und Online-Vermarktung. Wie hier die genaue Umsatzverteilung ist, wollte Döpfner allerdings nicht kundtun. „Das würde uns angesichts der ohnehin ja schon hohen Transparenz im Vergleich zu allen unseren Wettbewerbern dann doch ein bisschen zu weit gehen“, sagte er. Schob zur Orientierung allerdings nach: „Am profitabelsten, also mit den höchsten Umsatzrenditen operierend, ist das Rubrikengeschäft. Da werden sehr hohe Margen, teilweise bis zu 50 Prozent, erwirtschaftet. Das margenschwächste Geschäft ist das Werbevermarktungsgeschäft.“ Das habe damit zu tun, dass hier auch Außenumsätze konsolidiert werden müssten nach der internationalen Rechnungslegungsvorschrift IFRS. Döpfner: „Das führt dazu, dass die Margen hier eher einstellig sind, zwischen fünf und zehn Prozent.“ Und dazwischen positionierten sich die Inhalte-Portale. Die Margen bewegten sich hier in ähnlicher Höhe wie im Zeitungsgeschäft. „Um die 20 Prozent“, so Döpfner.

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