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Springer kürzt Handelsspannen bei BamS und WamS



Nach Informationen von Media Tribune hat der Verlag Axel Springer für „Bild am Sonntag“ und „Welt am Sonntag“ die Margen gekürzt und damit Irritationen ausgelöst. Denn nachdem Europas größtes Zeitungshaus erst vor wenigen Monaten die Handelsspannen-Vereinbarung mit den Pressegrossisten unterzeichnet hatte, galten die Margen als unantastbar. Hat Springer also gegen den Vertrag verstoßen? „Nein“, schallt es aus dem Medienkonzern. Denn der Sonntagsmarkt sei getrennt zu betrachten und nicht in die Regelung einbezogen.

Der Reihe nach: Grosso-Verband und Verlage haben sich im April im Rahmen eines Abkommens darauf geeinigt, dass die Spannen in diesem Jahr nicht sinken und auch Preiserhöhungen bei Titeln keinen Einfluss auf die Margen haben, weil ja neben den Medienunternehmen auch die Großhändler die Mehrerlöse, die sich dadurch in der Regel generieren lassen, benötigen, um steigende Kosten aufzufangen. Das gleiche gilt für die Einzelhändler. Nun aber nutze Springer die Preissteigerung bei „BamS“ (seit 5. Juni 2011 kostet sie 1,70 statt 1,50 Euro, also 13 % mehr) und „WamS“ (3,20 statt 3,10 Euro; +3,2%), um die Margen der Vertriebspartner zu kappen, ist zu hören. Das Argument von Springer: Unterm Strich bleibe den Händlern trotz geringerer Spanne mehr in der Kasse.

Ambulanter Sonntagsmarkt betroffen

Konkret geht es um den sogenannten ambulanten Sonntagsmarkt. Dazu gehören die Händler – oft Ein-Personen-Unternehmen –, die jeden Sonntag unterwegs sind, um „BamS“ und „WamS“ an den Mann und die Frau zu bringen. Bei jedem Wetter liefern sie die Zeitungen nach Hause oder stehen damit an Bahnhöfen, Straßenkreuzungen und sonstigen Verkehrsknotenpunkten. Daneben gibt es sonntags den stationären Handel – etwa Tankstellen und Bäckereien. Hier sind die Spannen nach der Preiserhöhung aber stabil geblieben. Die ambulanten Händler erhalten die Titel vom Verlag oder von Zwischenhändlern wie Grossisten oder anderen Vertriebsdienstleistern. Bisher galt, dass das Grosso für den Vertrieb über den ambulanten Handel höhere Spannen („Vertriebsstellenspannen“) erhält als für den Vertrieb über den stationären Handel, da der ambulante Vertriebsweg aufwändiger ist. Bei der „BamS“ waren das 15,30 Prozent Spanne (ambulant) statt 11,50 (stationär), also 3,8 Prozentpunkte mehr. Bei der „WamS“ waren es 16,46 statt 16,08 Prozent, also 0,4 Prozentpunkte mehr. Die Händler erhielten für ein verkauftes Exemplar der BamS 21 Prozent Spanne (stationär: 19 %) und für die WamS 19,68 Prozent (stationär: 19 %).

Mehraufwand wird nicht mehr berücksichtigt

Was geschah nach der Preiserhöhung? Bei der „BamS ambulant“ ist die Vertriebsstellenspanne stabil geblieben, aber die an der Haustür Verkaufenden haben nun 1,8 Prozentpunkte weniger. Bei der „WamS ambulant“ kürzte Springer sowohl die Vertriebsstellenspanne als auch die Marge für die ambulanten Händler: um 1,18 bzw. 0,47 Prozentpunkte. Damit ist die Grossospanne „WamS ambulant“ (jetzt: 15,30 %) unter die der Grossospanne „WamS stationär“ (unverändert: 16,08 %) gerutscht. „Es gibt offenbar keinen Mehraufwand mehr. Stattdessen scheint eine Erleichterung eingetreten sein“, meint ein Dienstleister zynisch.

Gegenüber den alten Handelsspannen erspart sich der Verlag pro ambulant verkauftem Exemplar jetzt also 2,84 Cent bei der „BamS“ und 4,94 Cent bei der „WamS“. Bei schätzungsweise 100.000 verkauften Exemplaren „WamS“ und 500.000 Exemplaren „BamS“ im ambulanten Handel macht das übers Jahr ziemlich genau eine Million Euro.

BamS-Erträge sollen WamS-Einbußen ausgleichen

Verlagsseitig wird argumentiert, das die Handelsstufen trotz der Spannenabsenkungen im Rohertrags-Plus sind, weil die Preiserhöhung bei der „BamS“ die Einbußen bei der „WamS“ überkompensierten. „WamS“ und „BamS“ ließen sich laut Springer nicht getrennt betrachten. Ein Grossist hält dagegen: „Nach dieser Argumentation würde das Grosso also aus der ‚BamS’ heraus die ‚WamS’ subventionieren, obwohl die Ermittlung der Handelsspanne für die ‚BamS’ einen solchen Mechanismus nicht vorsieht.“ Er sieht in der Spannensenkung eine „Verletzung des Handelsbrauchs zwischen Springer und Grosso“.

Sonderfall Sonntagsmarkt

Springer hingegen betont, dass der Sonntag separat zu betrachten sei: Nur ein Teil der Grossisten ist ebenfalls Dienstleister im ambulanten Sonntagsmarkt. Über 50 Prozent des Vertriebs laufe nicht über Grossisten, sondern über andere Dienstleister. Außerdem habe die im April getroffene Handelsspannen-Vereinbarung nur werktags Gültigkeit. Die Sonntags-Spannen seien Ergebnis von zusätzlichen bilateralen Verhandlungen zwischen Springer und den Handelspartnern. Anders als bei dem werktäglichen Vertrieb sei am Sonntag ja auch kein Grossist dazu verpflichtet, Springer-Titel auszuliefern. Es sei dessen freie Entscheidung, ob er die Sonntags-Spannen akzeptiere und sich dadurch ein Zusatzgeschäft sichere, oder ob er sie ablehne, so dass Springer sich einen anderen Dienstleister suchen müsse. Generell gelte: Der Verlag bestimme als Preisbinder Copypreis und Spanne.

Wie Media Tribune erfuhr, gab es dieser Tage ein „Annäherungs”-Gespräch zwischen Grossisten und Springer – allerdings ohne Ergebnis. Springer spiele mit der Macht und dem Feuer, heißt es seitens der Dienstleister. „Wenn jetzt wirklich auf einen Schlag 20 Grossisten den Vertrag mit einer Frist von sechs Monaten kündigen würden, brächte das Springer in arge Bedrängnis“, so ein Insider. Noch ist die Kröte nicht geschluckt.

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