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Stiftung Presse-Grosso vor dem Aus



Wegen fehlender wirtschaftlicher Grundlage wird die in Karlsruhe ansässige und seit 1995 bestehende Stiftung Presse-Grosso im Laufe des Jahres 2013 abgewickelt. Das kündigte der Vorstandsvorsitzende, Rechtsanwalt Klaus-Dieter Wülfrath (60), vor einigen Tagen in einem Schreiben an die Presse-Großhändler an.

RA Klaus-Dieter Wülfrath

RA Klaus-Dieter Wülfrath

„Die Stiftung hat in Erfüllung ihrer Stiftungszwecke, insbesondere in den letzten beiden Jahren, ihre Rücklagen aufgebraucht und, um gerade in der allerjüngsten Vergangenheit die für notwendig erachteten Beiträge auch weiter leisten zu können, inzwischen auch das Stiftungskapital fast vollständig aufgezehrt“, heißt es in dem Brief. Wülfrath betonte, und bezog sich dabei auf eine Aussage des zurückgetretenen Stiftungs-Beirat Klaus von Trotha (74; von 1991 bis 2001 Minister für Wissenschaft, Forschung und Kunst des Landes Baden-Württemberg), dass die Arbeit der als gemeinnützig anerkannten Stiftung neben der des Bundesverbandes Presse-Grosso eigentlich eine ideale Kombination sei, „um effizient unter Ausschöpfung aller Möglichkeiten ‚Lobby-Arbeit’ zu betreiben.“ Doch weil der Spendenmittel-Eingang seitens der Grossisten schon seit längerem hinter dem Bedarf zurückgeblieben sei, sei die Stiftung eben nun nicht mehr in der Lage, die bisherige Arbeit fortzusetzen.

Die Stiftung wurde vor 18 Jahren vom Presse-Grossisten Hans Mende (1925-2003) zum Zweck der Förderung von Wissenschaft, Forschung und Ausbildung auf dem Gebiet des Pressevertriebs zum Erhalt von Pressefreiheit und Pressevielfalt sowie eines verlagsunabhängigen Pressegroßhandels gegründet. Sie ließ unter anderem zahlreiche wissenschaftliche Gutachten erstellen. „Insbesondere vor dem Hintergrund der sich verschärfenden gerichtlichen Auseinandersetzung um das Presse-Grosso, aber auch im Hinblick auf vielfältige Bemühungen zur gesetzlichen Sicherung des Presse-Grosso-Systems, hat die Stiftung sich in den letzten beiden Jahren darum bemüht, namhafte Autoren für die Verbreiterung der Argumentationsgrundlagen ausfindig zu machen“, so Wülfrath. „Mit Prof. Dr. Boris Paal, Freiburg, und Prof. Dr. Hubertus Gersdorf, Rostock, konnten hochrangige Rechtswissenschaftler gefunden werden, die weitere wichtige Erkenntnisse beigesteuert haben, die dann in Aufsätzen veröffentlicht wurden.“

Neben den Kernaufgaben hat sich die Stiftung gemeinsam mit der Stiftung Lesen, Mainz, seit 2002 dem Thema der Leseförderung über das Medium Zeitschriften gewidmet. Ein Resultat ist das seit 2003 zusammen mit dem Verband Deutscher Zeitschriftenverleger (VDZ) und mit Unterstützung der Presse-Grossisten realisierte Leseförderungs-Projekt „Zeitschriften in die Schulen“. Schirmherr ist Bernd Neumann (71), Beauftragter der Bundesregierung für Kultur und Medien und Staatsminister bei der Bundeskanzlerin.

Darüber hinaus habe laut Wülfrath die Stiftung Presse-Grosso in den zurückliegenden fünf Jahren einen wesentlichen Anteil daran gehabt, dass unter Naumanns Regie eine Nationale Initiative Printmedien (NIP) entstanden sei, die insbesondere vor dem Hintergrund der ständigen öffentlichen Diskussion über die Bedeutung neuer Medien die grundsätzliche Bedeutung von Printmedien für eine demokratische Gesellschaftsordnung akzentuiere.

Last not least habe die Stiftung im Rahmen ihrer Tätigkeit sechs Foren und zwei parlamentarische Abende veranstaltet, auf denen aktuelle Themen aus der Stiftungsarbeit zur öffentlichen Diskussion gestellt worden seien.

In einem Schreiben an die Mitglieder bedauert der Bundesverband Presse-Grosso das Ende der Stiftungs-Aktivitäten. Der Verband wolle sich für die Fortführung des Projektes „Zeitschriften in die Schulen“ einsetzen. Deshalb werde der Vorstand den Mitgliedern auf der Hauptversammlung am 16./17. April 2013 vorschlagen, die ideelle und wirtschaftliche Trägerschaft dafür von der Stiftung Presse-Grosso zu übernehmen.

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