Anzeige
Anzeige

Zeitschriften im Abo-Check



Nach der sogenannten „Drücker-Affäre“ bei Bauer stellte die Bauer Vertriebs KG im Jahr 2006 den Abonnement-Bereich unter der Aufsicht der heutigen Konzern-Chefin Yvonne Bauer neu auf. Aus diesem Anlass sollen angeblich auch die Vereinbarungen mit dem WBZ (Werbender Buch- und Zeitschriftenhandel; seit 2009 umbenannt in: BMD Bundesverband der Medien- und Dienstleistungshändler) überarbeitet worden sein. Fünf Jahre später ist die Gattung der für Bauer so wichtigen Programmzeitschriften in eben diesem Abo-Geschäft stark unter Druck geraten, und die Titel der Bauer Media Group haben es in dieser Auflagensparte besonders schwer. Manch einer wittert schon einen Zusammenhang: Ist das die Rache, weil Frau Bauer damals die kriminellen Machenschaften mutig und unbeirrt ans Licht gebracht hatte?

Springer baut Marktanteil im Abo aus

Der etwas auflagenstärkere Erzkonkurrent Springer ließ allerdings auch Federn. Er baute aber wegen geringerer Abo-Verluste bei Hochpreis-Titeln wie „Hörzu“ (-10,9 Prozent) gegen Bauers „TV-Hören und Sehen“ (-29,1 Prozent) sowie bei „TV Digital“ (-20,4 Prozent) gegen Bauers „TV-Movie“ (-28,4 Prozent) seinen Marktanteil aus: Betrug Springers Auflagenvorsprung im Abonnement (heute: 5 Titel) auf Bauer (8 Titel) im Jahresdurchschnitt 2006 lediglich 91.477 Exemplare, so ist dieser 2011 auf 210.627 angewachsen. Die beiden anderen Marktteilnehmer Burda und WAZ können aus sicherer Auflagenentfernung dem Treiben der beiden Giganten zuschauen. Die WAZ-Gruppe, die mit ganzen elf Programmtiteln im Abo-Markt vertreten ist, hält sich mit einem Minus von 7,5 Prozent zu 2006 vergleichsweise stabil. Burda, mit einem überschaubaren Portfolio von drei Titeln, traf es schlimmer: Die beiden 14-täglichen „TV Spielfilm“ und „TV Today“ kämpfen gemeinsam gegen einen Verlust von 21,2 Prozent ihrer Abonnenten. Daran kann auch die mittlerweile hinzugekommene „TV Schlau“ nichts ändern.

Einzelverkauf stabiler als Abos

Bisher galt es als plausibel, dass Programmzeitschriften sich wegen ihres konkreten Nutzwertes besonders für das Abonnement eignen. In den zurückliegenden fünf Jahren zeigt aber der Einzelverkauf der Progammies (- 7,9 Prozent), wo Bauer souverän den Markt anführt, eine deutlich stabilere Entwicklung als das Abo (- 19,2 Prozent). Die Stabilität im Einzelverkauf hält auch den Vergleich mit anderen ausgewählten Zeitschriftengattungen stand, wobei darauf hingewiesen werden muss, dass im betrachteten 5-Jahres-Zeitraum bei den Programmies fünf neue Titeln hinzugekommen sind.



TV-Zeitschriften im 5-Jahres-Abo-Vergleich


Auch die Verluste im Abo-Geschäft, die es bei den Programmies zu beklagen gibt, spiegeln sich mehr oder weniger in den ausgewählten anderen Zeitschriftengattungen wider. Einzige Ausnahme bilden die Motor- und Sportzeitschriften (von Media Tribune zur Gattung zusammengefasst) mit einem Zuwachs von 2,4 Prozent von 2006 bis 2011. Mit Abstand am verlustreichsten sind aber die hier im Fokus stehenden Programmzeitschriften mit -19,2 Prozent. Absolut betrachtet nimmt deren Entwicklung fast dramatische Züge an: Die Programmies verlieren 1.390.503 Abonnenten und damit mehr als doppelt so viele wie die aktuellen Magazine, monatlichen Frauenzeitschriften und wöchentlichen Frauenzeitschriften zusammen.



TV-Zeitschriften im 5-Jahres-Abo-Vergleich


Hauptsache, die Kasse stimmt

Wobei die Auflagen-Zahlen immer nur bedingt Rückschlüsse auf die tatsächliche Erlös-Situation zulassen. So verlor Bauer von 2006 bis 2011 zwar mit minus 22,8 Prozent bzw. 631.747 Exemplare am meisten Abonnenten. Aber Erzrivale Springer hat dem Vernehmen nach unbotmäßig hoch in die Abo-Akquisition – und damit auch in den WBZ bzw. BMD – investiert, was sich auf die Gesamtbilanz entsprechend negativ auswirken dürfte.



TV-Zeitschriften im 5-Jahres-Abo-Vergleich


Wie hätte es der Abonnent gern?

Welche Frequenz ist die beste? Darauf hat wohl jeder Verlag seine eigene Antwort. Abonnenten der Wöchentlichen gelten als eher älter oder konservativ oder beides, während die der 14-Täglichen jünger, mobiler und progressiver eingestuft werden. Daraus aber abzuleiten, dass die konservativen „Alten“ die treueren Abonnenten sind, weil die Jungen eher auf die Prämie abfahren als auf ein dauerhaftes Zeitschriftenabo, lässt sich durch die IVW-Zahlen nicht belegen. Im Zeitraum von 2006 bis 2011 verlieren die wöchentlichen Titel mit 688.717 Abonnenten (20,8 %) ähnlich viel wie die 14-täglichen mit 703.886 (18,1 %). Und die Gruppe der 4-wöchentlichen Programmzeitschriften legt zwar um 6 Prozent zu, allerdings auf einem niedrigen absoluten Niveau von 2.100 neuen Abonnenten. Diese können fast noch per Handschlag begrüßt werden und sollten nicht als Indiz der Hinwendung zu dieser Erscheinungsweise dienen, da sie nur 0,6 Prozent des Abo-Marktes ausmachen.

Vielmehr könnte, wie so oft, der schnöde Preis den Unterschied machen: So schafft die günstige 14-tägliche „TV 14“ (Bauer) bei einem hohen Bestand von 433.123 Abonnenten immerhin noch einen Zuwachs von 8.240 (+1,9 %) und „TV Direkt“ (WAZ-Gruppe) bei wesentlich mehr Nachholbedarf ein Plus im Abo-Stamm von 41.091 (+69,6 %).



TV-Zeitschriften im 5-Jahres-Abo-Vergleich


Media Tribune Premium-Content
Anzeige  

MEDIA TRIBUNE UNTERSTÜTZEN

AKTUELLE KOMMENTARE

Anzeige
Anzeige

© 2017 Media Tribune. All Rights Reserved.