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02/11 | Focus lässt Gottschalk-Brüder streiten / RTLs wundersames Wachstum



Focus bricht Gottschalk-Streit vom Zaun

Anfang Februar meldete Focus in einer Vorabmeldung, dass der TV-Moderator Thomas Gottschalk („Wetten, dass..?”) aus der Vermarktungsgesellschaft Dolce Media ausgestiegen sei, die er mit seinem jüngeren Bruder Christoph gemeinsam betrieben hätte. Das Nachrichtenmagazin berief sich auf Geschäftsunterlagen der Firma, wonach sich Deutschlands bekanntester Entertainer seine Anteile habe bar auszahlen lassen. Zuvor habe es größere Unstimmigkeiten über das Geschäftsgebaren gegeben, berichtete Focus. Zahlreiche Medien übernahmen die Meldung, die den Eindruck vermittelte, als wäre die Sache gerade passiert. Als brandaktuelle News wurde sie dann auch weiterverbreitet. Tatsächlich hatte Thomas Gottschalk seine Anteile bereits vor mehr als zwei Jahren abgegeben. Djavid Salehi, Projekt- und Bereichsleiter Dolce Media: „Schon erstaunlich, dass keiner der Journalisten, die die Meldung abgeschrieben haben, vorher mal hier angerufen hat, um den Bericht zu überprüfen.”

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Wundersames Wachstum

Die einst vom ehemaligen RTL-Chef Prof. Dr. Helmut Thoma verbreitete geniale Worthülse von der „werberelevanten Zielgruppe 14 bis 49 Jahre“ ist offenbar nicht aus den Köpfen zu kriegen. Seit geraumer Zeit bemüht sich der RTL-Vermarkter IP Deutschland, die „Werberelevanz“ in Richtung 20 bis 59 Jahre zu verschieben – bisher mit wenig Erfolg. Dabei wäre es so schön. Denn lässt man den unzulässigen Zeitreihenvergleich der Media-Analyse mal außer Acht, so wuchs in den zurückliegenden zehn Jahren die tägliche RTL-Seherschaft im Alter von 14 bis 49 Jahren um 1,54 Millionen. Die 20- bis 59-Jährigen vermehrten sich jedoch um satte 2,82 Millionen. Das liegt daran, dass die RTL-Seherschaft überproportional zur Basis bei den ganz jungen (14 bis 19 Jahre) nachgibt, während sie bei den 50 bis 59-Jährigen ordentlich zulegt.
Eine Verschiebung der „Werberelevanz“ auf die „Älteren“ käme demnach einer mühelosen Steigerung der Werbeträgerleistung um 83 Prozent gleich – frei nach dem Dramatiker Bertold Brecht: „Die Zielgruppe hat das Vertrauen des Vermarkters verscherzt. Wäre es da nicht einfacher, der Vermarkter löste die Zielgruppe auf und erfindet eine neue?“

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Media Tribune QuizMedia Tribune-Quiz: In welchem Aufsichtsrat vertritt ein Drittel der Mitglieder
die Arbeitnehmerseite?

a) Axel Springer
b) Bertelsmann
c) Gruner + Jahr


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c) Gruner + Jahr

Gruner + Jahr stellt auf freiwilliger Basis den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern drei sowie den Führungskräften einen von zwölf Sitzen zur Verfügung. Bei Mutter Bertelsmann gilt eine ähnliche Regelung. Axel Springer, ebenfalls ein Tendenzbetrieb, kann auf Vertreter der Arbeitnehmer verzichten.


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  • zeitleser

    Die Zielgruppe der bis 49jährigen war ja nicht deshalb „werberelevant”, weil ab 50jährige uninteressant gewesen wären, sondern weil man in klassischen Mediaplänen die unter 50jährigen unterproportional erreicht hat. Man musste sich also schon krummlegen, um die Gesamtbevölkerung zu erreichen und eben nicht eine überalterte Zielgruppe. Inzwischen erreicht Privatfernsehen in Deutschland wie in in anderen reiferen TV-Märkten nahezu gleichmäßig die gesamte Bevölkerung, so dass eine allzu starke Alterseinschränkung bei der TV-Planung wirklich keinen Sinn mehr macht. Menschen, die den Zenit zwar altersmäßig, jedoch nicht finanziell bereits überschritten haben, erreicht man auch heute noch eher über einige wenige Printtitel, öffentlich-rechtliches Fernsehen und ein paar Spartensender, Radio, Events, ausgewählte Internetangebote und durch Außenwerbung (dann wird es schon sehr unübersichtlich).

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