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03/13 | Dominik Wichmann entschuldigt sich bei Henri Nannen



Kotau – aber wofür?

Die Front des G+J-Verlagshauses am Hamburger Baumwall (Foto) zierte im Vorfeld der gründlichen Überarbeitung des „Stern“ am 14. März und rechtzeitig zur G+J-Jahrespressekonferenz vom 27. März ein riesiges Plakat mit der Zeile „Sorry Henri Nannen, es musste sein.“. Der neue „Stern“- Chefredakteur Dominik Wichmann sieht sich mit diesem Kotau dem Gründer Sir Henri direkt verbunden: „Wenn man ein Magazin wie den ‘Stern’ modernisiert, muss man überlegen, wie Deutschland sich verändert hat. Eine Zeitschrift muss die Zeit abbilden, in der sie existiert“, so Wichmann zu seinem Relaunch. Womit er eigentlich die Kunst des Zeitschriftenmachens zeitlos für jedes x-beliebige Magazin beschreibt.


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Aber sorry, wofür entschuldigt sich Dominik Wichmann mit seinem Blowup nun konkret – und das auch nur beim Gründer Henri Nannen? Was ist mit den anderen 14 Chefredakteuren, die nach Nannen den „Stern“ mit ihrem Willen zur Veränderung geführt haben wie Rolf Schmidt-Holtz Anfang der 90er Jahre mit seinem ambitionierten Erneuerungsprojekt „Stern 2000“, Werner Funk anschließend mit dem Megaevent „50 Jahre Stern“ oder seine unmittelbaren Vorgänger Thomas Osterkorn und Andreas Petzold, die mit 14 Jahren der Kontinuität an der „Stern“-Spitze nach Nannen die zweitlängste Amtszeit vorweisen können?

Ist es Dominik Wichmann peinlich den stets gepriesenen Qualitätsjournalismus für 1,00 Euro zu verschleudern (der Copypreis der Relaunch-Ausgabe wurde von 3,50 auf 1 Euro gesenkt; Jahres-Abos wurden für 52 x 1 Euro angeboten)? Vielleicht entschuldigt er sich aber auch dafür, dass die Einzelverkaufsauflage des „Stern“ so stark gesunken ist, sodass sie jetzt wieder die Größenordnung wie in den 50er Jahren hat, wie das auch bei anderen vergleichbaren Titeln so ist? Immerhin war der „Stern“ stets für G+J die „Lokomotive, die nicht nur den Zug, sondern den ganzen Bahnhof zieht“ (Zitat Henri Nannen). Oder sind sich die neuen „Stern“-Macher in Redaktion und Verlag nicht ganz sicher, ob das neue Konzept die Auflage pushen wird und üben deshalb schon mal einen vorauseilenden Kotau. Vielleicht ist es auch ein wenig Hochnäsigkeit, weil jetzt ein derart toller Stern herausgegeben wird, wie es ihn noch nie – auch nicht zu Nannens Zeiten – gegeben hat und man eine Kränkung des verehrten Sir Henri auf „Wolke 7“ in Grenzen halten will, denn immerhin bildet Gruner + Jahr den Journalisten-Nachwuchs an der Henri-Nannen-Journalistenschule aus. Angesichts dieser Bedeutungsirritation findet ein gestandener Gruner + Jahr-Manager Trost mit der trockenen Bemerkung: „Wenigstens haben sie Henri nicht mit ‚y‘ geschrieben.“


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Media Tribune QuizMedia Tribune-Quiz: Welcher Vorstandsvorsitzende trat sein Amt an, ohne bereits Mitglied dieses Organs gewesen zu sein?
a) August A. Fischer
b) Bernd Kundrun
c) Thomas Ostrowski


Antwort anzeigen »

a) August A. Fischer

Gus Fischer, der Eidgenosse mit dem britischen Pass, kam am 1. Januar 1998 zu Springer und blieb offiziell vier Jahre. Zuweilen blieb er tagelang in London und schwebte nur zur Stippvisite in Berlin ein. Deshalb bekam er den Spitznamen „Di Mi Do“.


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