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05/11 | Brigitte gibt Frauen mehr Gewicht / SZ verheddert sich bei Bunte und Gala / Stimmen zur Pressefreiheit



Good Golly Miss Molly

In nur elf Jahren, seit Anfang dieses Jahrhunderts, hat „Brigitte“ 267.995 (49,7 %) Käuferinnen im Einzelverkauf verloren. Zudem quittierten 79.830 (31,0 %) der Abonnentinnen den Dienst am Blatt.

Seit Heft Nr. 2/2010 kommt „Brigitte“ nun mit Laienmodels auf dem Titel daher. Diese, stark PR-getriebene, Maßnahme stoppte die Fallrate des Magazins im Einzelverkauf: In dieser Auflagensparte schloss die Frauenzeitschrift das Jahr 2010 mit einem Plus von 10.045 Exemplaren gegenüber 2009 ab (+3,8 % auf 271.371 Exemplare). Leider konnten sich nicht alle Abonnentinnen mit dem „Titelmädchen von nebenan“ anfreunden – „Brigitte“ verlor im gleichen Zeitraum 22.697 Abos (-11,3 % auf 177.985 Exemplare).

Im ersten Quartal 2011 gab jetzt auch der Einzelverkauf wieder deutlich nach. Hatte „Brigitte“ vor einem Jahr noch mit 310.126 Exemplaren eine Trendwende markiert (+4,9 % zu I/2009), muss sie für die ersten vier Monate 2011 insgesamt 60.230 Hefte weniger melden (-19,4 % zu I/2010) und damit das schlechteste I. Quartal seit IVW-Erfassung 1979. Auch 19.224 Abonnentinnen zeigten sich not amused und gingen von der Fahne (-10,4 % auf 166.403 Exemplare). Die eingangs beschriebene Auflagen-Erosion hat offenbar wieder die alte Dynamik erreicht.

Was tun? Nach der Titelstrategie „ohne Model“ soll nun eine neue Frau durchs Dorf getrieben werden: die Mollige. Seit einiger Zeit bietet die „Brigitte-Bestellmode“ auch Teile bis Größe 50 (!) mit Erfolg an. Für Ausgabe Nr. 20, die am 7. September erscheint, ist das Supplement „Brigitte Big“ geplant. Vielleicht zeigt sich hier ja ein valides korpulentes Käuferpotential?

Versuche, mit „Mode für Mollige“ magersüchtigen Auflagen mehr Gewicht zu verleihen, gab es in der Vergangenheit schon mehrere, ob sie je funktioniert haben ist nicht bekannt. Immerhin soll es bei „Brigitte Big“ rauf bis Größe 54 gehen. Das ist dann schon ein schweres Geschütz, dem kein Dickerchen mehr entkommen kann.


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Mengenleere der SZ

Mehr Fehler kann man in 18 Zeilen Lauftext kaum machen: Die „Süddeutsche Zeitung“ (SZ) vom 24. Mai 2011 berichtet in dem Beitrag „Unter Trauzeugen“ über den erfolgreichen Verkauf der Ausgaben 19/2011 von „Bunte“ (Burda) und „Gala“ (Gruner + Jahr) zur Hochzeit von – wie die SZ schreibt – „Prinz William und Kate Middelton“. Die Dame heißt jedoch Middleton mit „le“. Ok, man soll nicht allzu kleinlich sein – solange der Nachrichtenwert erhalten bleibt.

Doch der leidet erheblich beim anschließenden forschen Ritt der SZ durch unterschiedliche Auflagensparten zur Veranschaulichung der Absatz-Triumphe: Die SZ vergleicht kurzerhand die Einzelverkaufsauflage (Verkäufe im Einzelhandel) von „Bunte“ (Heft 19; 467.400 Exemplare) mit dem Gesamtverkauf von „Gala“ (Heft 19; 413.000 Exemplare), d.h. inklusive EV, Abo, Lesezirkel, Bordexemplare und sonstige Verkäufe. Zum Verständnis: Der Gesamtverkauf von „Bunte“ liegt etwa doppelt so hoch wie der von „Gala“!.

Doch damit nicht genug des Äpfel-und-Birnen-Jonglierens: Die Auflagensteigerung bei „Bunte“ (51 Prozent) bezieht die SZ auf die Durchschnittsauflage dieses Jahres, das Plus von „Gala“ (84 Prozent) aber auf die Vorjahresausgabe.

Der SZ jetzt aber zu unterstellen, sie wolle mit diesen unsauberen Vergleichen den Erfolg des Münchener Lokalrivalen „Bunte“ kleiner als jenen der Hamburger „Gala“ erscheinen lassen, wäre wohl übertrieben. Es sieht eher danach aus, als verheddere sich die „Süddeutsche Zeitung“ (Einzelverkauf Montag bis Samstag: 68.078 Exemplare) in der für ihre Verhältnisse ungewohnt hohen Einzelverkaufsmenge des Burda-Magazins.


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Am 3. Mai ist der Internationale Tag der Pressefreiheit

Hier drei Sprüche dazu aus berufenem Munde:

„Die Presse muss die Freiheit haben, alles zu sagen, damit gewisse Leute nicht die Freiheit haben, alles zu tun.“
Alain Peyrefitte (1925-1999), französischer Politiker

„Jeder hat das Recht auf eine eigene Meinung, aber nicht auf eigene Fakten.“
Jürgen Todenhöfer (Jahrgang 1940), deutscher Politiker und Publizist

„Es bleibt ein weiser Rat an jeden Zeitungsleser: Lies nie Berichte über ein Ereignis, an dem du selbst beteiligt warst – dein Vertrauen in die Welt der Nachrichten könnte dauerhaft beschädigt werden!“
Klaus von Dohnanyi (Jahrgang 1928), deutscher Jurist und Politiker, in einem Leserbrief an die „Frankfurter Allgemeine“ am 3. Mai 2011.


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Media Tribune QuizMedia Tribune-Quiz: Welcher Vorstandsvorsitzende blieb 19 Jahre und vier Monate im Amt?
a) Gerd Schulte-Hillen
b) Mark Wössner
c) Reinhard Mohn


Antwort anzeigen »

a) Gerd Schulte-Hillen

Gerd Schulte-Hillen führte Gruner + Jahr vom 1. Juli 1981 bis 31. Oktober 2000 zum Erfolg. Länger an der Spitze stand nur Peter Tamm, der den Axel Springer Verlag ab Neujahr 1970 als Alleinvorstand und vom 1. Juli 1982 bis zum 10. Juli 1991 als Vorsitzender leitete.


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