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“In Grafiken”: Wissen erschauen



„Ein Bild sagt mehr als tausend Worte“ – dieses Sprichwort, das der US-amerikanische Autor und Werbemanager der Street Railways Advertising Company, Fred R. Barnard, 1921 erfunden haben soll („One Look is Worth A Thousand Words“), kennt heute jeder Blattmacher. Der Leitsatz wird immer dann gern zitiert, wenn es darum geht, den Mehrwert von Bildern gegenüber ausschließlichem Text zu betonen. Neurowissenschaftler erklären dazu, dass beim Menschen die visuelle Wahrnehmung an erster Stelle der Informationsaufnahme steht. Texte müssen erst verstanden und danach inhaltlich eingeordnet werden. Bilder, insbesondere Informationsgrafiken, haben hier Vorteile, wenn sie dem menschlichen Gehirn die Sachinformationen in vorbereiteter Form servieren. Wie faszinierend die Welt der Infografik sein kann, führt nun eine neue Zeitschrift vor Augen: In Grafiken (englischer Titel: In Graphics) besteht einzig und allein nur aus Grafiken.

Gorch Fock Wissen erschauen

In Grafiken: Gorch Fock

„In diesem Magazin geht es nicht nur darum, Informationen grafisch besonders ansprechend aufzubereiten, sondern ebenso darum, aktuelle Themen zu finden, die uns besonders interessieren und deren Zusammenhänge wir verstehen möchten“, sagt Chefredakteur, Creative Director und Herausgeber Jan Schwochow (42), der zudem Geschäftsführer der 2007 gegründeten Berliner Golden Section Graphics GmbH ist, in der In Grafiken erscheint. Vorher war er unter anderem Chef der Infografik bei der Verlagsgruppe Milchstrasse und beim Stern (bis 2004) und zweieinhalb Jahre Leiter der Infografik-Unit bei der Agentur KircherBurkhardt. Golden Section arbeitet für etliche Publikationen wie die Zeit, das Handelsblatt oder das New York Times Magazine.

Einige Auftragsarbeiten sind auch in der ersten Ausgabe von In Grafiken zu finden – „mit aktuellen Daten und großzügiger aufbereitet“, so Schwochow. Er hat das zweisprachige Heft (englisch-deutsch) im Großformat 8.000 Mal drucken lassen und vertreibt es über seine Website www.ingraphics.de für den stolzen Preis von 22 Euro. Für 2011 sind zwei weitere Ausgaben vorgesehen.


Grafik Fisch Wissen erschauen

In Grafiken: Thunfisch-Bestand


Das Themenspektrum der ersten Nummer reicht von einer Übersicht über „abgeschlossene, laufende und geplante städtebauliche Großprojekte in Deutschland und deren Kostenentwicklung“ über den Transfermarkt Fußball bis hin zu einer mehrere Seiten umfassenden Zeitleiste der Informationstechnologie – von 5.000 v. Chr. bis heute.

Schwachpunkte der komplexen Themendarstellung

Eine Erkenntnis: Simpel und auf den ersten Blick verständlich sind die aufwändig gemachten Grafiken selten. Ein Bildband zum entspannten Durchblättern ist In Grafiken nicht. Wer sich aber die Mühe macht, sich in die Abbildungen und Tabellen hineinzudenken, dem öffnet die visuelle Umsetzung der meist recht komplexen Themen eine neue Dimension des Verstehens: Es erschließt sich nicht nur der Zusammenhang, sondern es ergeben sich vor dem Auge oft auch viele neue Einzel-Geschichten. So lassen sich beispielsweise mit der Visualisierung der „wichtigsten demografischen und ökonomischen Werte Deutschlands seit der Gründung der Republik 1949“ verschiedene zeitliche Abschnitte optisch heraustrennen und miteinander neu in Beziehung setzen.

Zwei Schwachpunkte von In Grafiken: Etliche Grafiken kommen sehr „kalt“ daher. Beim Betrachter dürfte hier und da der Wunsch geweckt werden, dazu auch einen Text zu lesen, der das Thema bewertet, einordnet, eine Meinung wiedergibt. Und: Die sechs Promotion-Seiten für die Allianz-Arena hätten deutlicher als bezahlte Werbung gekennzeichnet werden sollen.

Als Gründungsjahr der modernen Infografik wird übrigens häufig das Jahr 1786 genannt, in dem William Playfair seinen Commercial and Political Atlas veröffentlichte, in dem sich zahlreiche Diagramme finden. Als bekannter Infografiker gilt in Fachkreisen ebenfalls der Franzose Charles Joseph Minard, der 1869 den Russlandfeldzug Napoleons 1812−1813 darstellte. Seine Infografik zeigt den schematischen Verlauf bis Moskau, die Abnahme der Truppenstärke sowie eine Abfolge der Temperaturen, denen die Soldaten während des Rückzugs im Winter ausgesetzt waren. In ähnlicher Form stellte der irische Ingenieur Matthew Henry Phineas Riall Sankey die Energieflüsse in einer Dampfmaschine dar. Nach ihm wird diese Diagrammform heute als Sankey-Diagramm bezeichnet.

Sankey Wissen erschauen

Sankey-Diagramm

Die breite Durchsetzung in den Massenmedien ging hingegen vor allem von den Vereinigten Staaten aus. Insbesondere die Zeitung USA Today hat sehr stark auf infografische Visualisierungen gesetzt und damit große Erfolge gefeiert. Infografiken erlebten dort z. B. während des ersten Golfkriegs einen Boom. Da so gut wie keine Bilder zu bekommen waren, wurden Truppenbewegungen, Frontverläufe, Geländegewinne bzw. -verluste oder die Wirkungsweise von Waffen mittels Infografiken den amerikanischen Lesern und Fernsehzuschauern vermittelt. In Deutschland spielte das Nachrichtenmagazin Focus eine wichtige Rolle in der Verbreitung von Infografiken. In der Gründungsphase ab 1993 wirkte hier Matt Zang als graphischer Leiter, der auch bei U.S. News in Washington für Aufmerksamkeit sorgte. Heute sieht man Arbeiten von ihm in Deutschland unter anderem in der WirtschaftsWoche.

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  • Vielen Dank für die ausführliche Kritik unseres Magazins! Es liegt jedoch ein Irrtum vor: Die Grafiken über die Allianz-Arena sind zwar in einer Promotionkampagne produziert und bezahlt worden, jedoch nicht erneut für die Verwendung in unserem Magazin. Daher keine Kennzeichnung als Anzeige.

    Für zukünftige Ausgaben von IN GRAFIKEN möchten wir Anzeigenkunden gewinnen, die sich auf genau dies einlassen: Wir erstellen die Anzeige, die kontextuell am besten für die Zielgruppe geschaffen ist — in Form einer Infografik. So können wir dann auch einen weniger stolzen Preis erreichen.

    • Danke für die Richtigstellung. Aber unabhängig davon, dass Allianz die Grafik zwar in Auftrag gab, jedoch nicht speziell für die Verwendung in IN GRAFIKEN, sehe ich hier eine Gefahr lauern. Ich finde es schon wichtig, darüber informiert zu werden, welche Grafiken zu Werbezwecken erstellt wurden. Denn so transparent die Visualisierung auch erscheinen mag, sie ist doch „nur“ ein Ausschnitt der Realität. Aspekte werden weggelassen, um Dinge verständlich zu machen, um Relevantes in den Blick zu rücken. Jemand muss aber die Auswahl treffen, was relevant ist. Und wenn das kein Journalist ist, sondern ein Werbungtreibender, dann verändert das die Sache, denke ich. Könnte man nicht immer unter das Bild schreiben, wie die Grafik zustande kam – wer sie finanziert hat? Der künstlerische Wert der Arbeit wird dadurch ja nicht geschmälert …

  • Wir sind uns der Problematik bewusst, dass die Grenze zwischen redaktionellem Inhalt und Werbung fließend ist.

    Der Vorteil der Infografik ist ihre Neutralität. Wichtigstes Kriterium ist, dass der Leser den Sachverhalt versteht. Wir sind der Überzeugung, dass Infografik keine vorherige Bewertung der Fakten haben darf. Und wir sind uns einig: Der Infografiker filtert nur zwischen relevant und unwesentlich bzw. störend. Die Bewertung übernimmt der Betrachter.

    Unsere Doppelseite über virtuelles Wasser beispielsweise enthält keinen Satz darüber, wie der Wasserverbrauch gewertet werden soll. Die meisten Leser werden es aber ähnlich negativ interpretieren. hier diente das Bundesumweltministerium als Quelle; Handelt es sich um redaktionellen Inhalt oder um Werbung?

    Bei der Serie über die Allianz Arena waren wir es dann doch am Ende, die zwischen wichtig und unwichtig geurteilt haben, nicht der Kunde. Zuvor hatten wir alle Informationen recherchiert bzw. vom Kunden angefordert. Zum Beispiel bei der Grafik »Das Team hinter dem Team«: Hier kam die Gestaltungsidee von uns und unser Auftraggeber hat die Daten besorgt, in diesem Fall eine Liste an Menschen, die sich während eines Spiel in der Allianz Arena befinden. Hätte man das z.B. für den Stern recherchiert, wäre es nicht anders gelaufen. Der Journalist würde bei der Pressestelle der Arena anfragen und eine Liste bekommen, die die Grafikabteilung dann visualisiert. Wieder die Frage: redaktioneller Inhalt oder Werbung?

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