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Thomas Schuler: Bertelsmann Republik Deutschland – Eine Stiftung macht Politik



„Ganz gleich, wer in Berlin regiert, die Bertelsmann Stiftung aus Gütersloh regiert immer mit“, sagt Thomas Schuler in seinem Buch „Bertelsmann Republik Deutschland – eine Stiftung macht Politik“ (Campus, 304 S., 24,90 Euro). Nach den Recherchen des Journalisten platziert die Stiftung Personal auf den höchsten politischen Etagen in Berlin und Brüssel. Ob bei Sozialreformen, im Gesundheitswesen oder in der Bildungspolitik: Stiftungsexperten beeinflussen Gesetzesentwürfe und Reformen im Sinne der Unternehmens- und Familieninteressen. Schuler stellt vor diesem Hintergrund in Frage, ob die Arbeit der Stiftung wirklich so selbstlos ist, wie das gerne darstellt wird.

Bereits am Erscheinungstag des Buches veröffentlichte Bertelsmann eine Stellungnahme. Darin weist der Vorstandsvorsitzende der Bertelsmann-Stiftung und Aufsichtsratsvorsitzende der Bertelsmann AG, Dr. Gunter Thielen, jegliche Angriffe auf den gemeinnützigen Status der Stiftung zurück. Die Stiftung, so Thielen, arbeite völlig unabhängig von den Interessen der Bertelsmann AG. Dies werde im Übrigen regelmäßig von den Steuerbehörden und der Stiftungsaufsicht geprüft.

Autor Thomas Schuler hält dagegen

„Mit dieser Kontrolle und dieser Stiftungsaufsicht ist es nicht so weit her. Ich glaube, das ist eine Aufsicht, die nicht im Sinne der Öffentlichkeit die Stiftung überprüft, sondern eine Aufsicht, die im Sinne des Stifters, der Bertelsmannstiftung, die Öffentlichkeit fernhält. Also das ist so eine gewisse Wand, die vor der Stiftung errichtet ist. Und die Prüfung des Finanzamtes: Also wenn die Situation ähnlich ist wie hier in Bayern: Da wird ja jetzt massiv drüber geklagt, dass man Personalmangel hat und Dinge eher schätzt als wirklich prüft. Ich kann mir schwer vorstellen, dass in dem kleinen Finanzamt in Gütersloh diese riesige Stiftung so ausführlich geprüft wird und jedes Detail wirklich noch mal besehen wird“, sagte er im Deutschlandfunk.


Thomas Schuler: Bertelsmann Republik Deutschland

"Ganz gleich, wer in Berlin regiert, die Bertelsmann Stiftung aus Gütersloh regiert immer mit"

Schulers Kritik richtet sich nicht nur auf die steuersparende Verflechtung von Stiftung und Bertelsmann AG. Er gibt auch zahlreiche Beispiele dafür, dass über die Stiftung immer wieder Projekte angeschoben werden, die zwar einen gemeinnützigen Anstrich haben, bei genauerer Betrachtung jedoch ganz offensichtlich den Interessen der Bertelsmann AG dienen.

Schuler: „In meiner Recherche ist mir immer wieder aufgetaucht, dass Leute, die Mohn kannten, erzählt haben, dass er dachte, dass die Gesellschaft und das Land so geführt werden sollten, wie er eben sein Unternehmen geführt hat. Deshalb ‚Bertelsmannrepublik Deutschland‘. Es hat noch einen zweiten Sinn: Wenn ich aufrechne, was an zwei Milliarden Erbschaftssteuer ungefähr erspart worden ist, und man rechnet die 800 Millionen dagegen, die die Stiftung seit 1977 ausgegeben hat, dann merkt man, dass die Öffentlichkeit der Familie Mohn dieses Privatinstitut finanziert. Und dafür, dass ein Teil gemeinnützig ist, aber auch ein Teil fragwürdig ist, finde ich das bemerkenswert und problematisch, dass also dieser Familie und diesem Unternehmen hier ein Zugang für Lobbyismus zur Politik finanziert wird.“

Zum Autor:

Thomas Schuler, geboren 1965, studierte an der Columbia School of Journalism in New York und recherchiert seit Langem über Bertelsmann. Im Jahr 2004 erschien von ihm die kritische Biografie „Die Mohns“ über die Familie hinter Europas größtem Medienkonzern. Schuler lebt und arbeitet als freier Journalist in München. Er schreibt unter anderem für die Süddeutsche Zeitung und Berliner Zeitung.

Coypright Bildquellen: Campus Verlag, Susanne Weigand

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